Im Quartiere Flaminio

Parioli - Auditorium
Ich habe einen Spaziergang durch das Quartiere Flaminio, Teil des Stadtviertels Parioli, in Rom gemacht. Das Wetter war frühlingshaft schön und nicht zuletzt war die Einweihung des MAXXI, des Museums für die Kunst des 21. Jahrhunderts der Anlass. Das Stadtviertel hat seinen Namen von der Via Flaminia, die das Gebiet zwischen der nördlichen Stadtmauer mit der Porta del Popolo und dem Tiberknie mit dem Ponte Milvio seit 2200 Jahren schnurgerade durchzieht. Es war der römische Zensor Gaius Flaminius, der um das Jahr 220 v. Chr. die nach ihm benannte Straße durch Umbrien bis an die Adria anlegen ließ. Doch das Gelände, das sie direkt nach dem Verlassen der Stadt Rom durchquerte wurde regelmäßig vom Tiber überschwemmt und lud deshalb nicht zur dauerhaften Besiedlung ein.
Parioli - Sant'Andrea del Vignola
Eines der wenigen historischen Monumente in diesem Stadtviertel ist die kleine aber feine Renaissancekirche Sant’Andrea, die von Giacomo Barozzi da Vignola anlässlich der Überführung einer Reliquie des Heiligen Andreas in den Petersdom errichtet wurde. Die sterblichen Überreste des Apostels wurden während des vierten Kreuzzugs 1204 aus Konstantinopel gestohlen und sind anschließend über halb Europa verteilt worden. Eine Hälfte des Schädels zog schließlich über die Via Flaminia nach Rom ein.

Erst mit der Eindeichung des Tibers ab 1870 wuchs entlang der Straße ein Stadtviertel das heute zu den teuersten Roms gehört. Das Quartiere Flaminio  wird durch Appartement- und Mietshäuser aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und den 1920er Jahren geprägt. Entlang der vielen Pappelalleen führen vornehme Damen ihre Hunde spazieren. Das Viertel ist gediegen. Es gibt Theater, Kinos und Restaurants, aber es ist doch keines der lauten Ausgehviertel Roms.

Der Norden ist dagegen vom Sport geprägt. 1960 wurden in Rom die 17. Olympische Spiele ausgetragen. Dafür wurden gegenüber des Olympiastadions entlang des Tibers etliche Sportstätten errichtet. Vor allem Pier Luigi Nervi prägte mit dem Palazzetto dello Sport, der an das Pantheon erinnert, und dem Stadio Flaminio deren Bild. Auch das Olympische Dorf entstand hier durch den römischen Architekten Luigi Moretti, heute ein ruhiges Wohngebiet. Hatte der Architekt soviel Weitsicht, dass er die meisten Gebäude aufständerte damit die heutigen Bewohner problemlos einen Parkplatz darunter finden?
Parioli - AuditoriumParioli - Olympisches DorfParioli - Olympisches DorfParioli - Palazzetto dello Sport
Dazwischen baute Renzo Piano von 1994 bis 2002 sein eindrucksvolles Auditorium. Die drei Konzertsäle, die als einzelnstehende Baukörper ausgebildet sind, wirken wie riesige Käfer die sich belauern. Zwischen ihnen liegt ein Freilufttheater, das mehr an das Amphitheater in Sutri, als an das Kolosseum erinnert. Es wirkt wie ein Teil der Landschaft mit dem grünen Parioli-Hügel im Hintergrund.

Ein Stückchen entfernt wurde 1995 ein weiteres Monument eingeweiht. Die vom römischen Architekten Paolo Portoghesi entworfene Moschee. Das größte islamische Gotteshaus Europas außerhalb der Türkei, das in der Stadt des Papstes auch ohne große Diskussionen ein hohes Minarett bekam. Wer also in Rom ein alternatives Besichtigungsprogramm jenseits von barocken Kirchen und antiken Ruinen sucht sollte von der Porta del Popolo mit der Straßenbahnlinie 2 entlang der Via Flaminia fahren.

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