Neuer Mafia Thriller von Petra Reski

Palermo Connection heißt das neueste Buch von Petra Reski. Schon wieder ein Mafiaroman? Ja aber einer der sich zu lesen lohnt. Nicht nur wegen gehöriger Spannung und einem Schuss Erotik sondern auch wegen seines ausgesprochenen Realitätsbezugs.

Die attraktive Singlefrau und Staatsanwältin Serena Vitale führt gegen die großen Fische im sizilianischen Mafiasumpf Prozesse. Sie trägt waghalsig hohe Absätze und bleibt auch im Nagelstudio via Handy am Ball. Nun hat sie den Innenminister an der Angel, der wegen Verbindungen zur Mafia angeklagt wird. Spätestens als Telefonmitschnitte auftauchen, in denen auch der Staatspräsidenten zu hören ist, kippt die öffentliche Meinung. Auf Vitale wächst der Druck die Tondokumente zu vernichten. Ihre Situation wird immer bedrohlicher.

Wer sich in der italienischen Politik auskennt, dem fällt es nicht schwer den fiktionalen Figuren ihre realen Vorbilder zuzuordnen. Ähnlich wie im Buch läuft gerade in Palermo ein Prozess, bei dem ermittelt wird ob Anfang der 1990er Jahre Mitglieder der Regierung mit der Mafia verhandelt haben um für sie günstigere Gesetze zu erlassen und im Gegensatz den Verzicht auf Anschläge gegen Politiker zu erreichen. Angeklagt ist unter anderem der damalige Innenminister Mancino. Es gibt Vermutungen, dass die Richter Falcone und Borsellino, die 1992 von der Mafia ermordet wurden, Opfer dieser Verhandlungen wurden. Insbesondere ist das Verschwinden einer Dokumentenmappe von Borsellino rätselhaft, die nach dem Attentat ein Geheimdienstmitarbeiter an sich genommen hatte.

Genauso wie im Buch beschäftigt sich tatsächlich die Staatsanwaltschaft in Palermo zurzeit mit einem Mitschnitt eines Telefonats des aktuellen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano. Er hatte es kurz vor dem Prozess mit Mancino geführt und die Aufnahme gerichtlich vernichten lassen. Napolitano wurde zum Prozess, nur als Zeuge wohlgemerkt, in seiner Residenz in Rom befragt. Für viele italienische Medien kam dies trotzdem einer Majestätsbeleidigung gleich. Was bei der Befragung herauskam ist noch nicht veröffentlicht. Eigenartig, dass diese Befragung in den deutschen Medien praktisch unbeachtet blieb. Man stelle sich vor was los wäre, käme ein Telefongespräch von Joachim Gauck mit beispielsweise einem Angeklagten im NSU-Prozess ans Licht.

Eigentlich müsste das Buch von Petra Reski bei dieser brisanten Aktualität ganz vorne in den Bestsellerlisten stehen. Aber das Problem des Buchs hat Reski in ihrer Geschichte schon vorausgesehen. „Ihre Geschichte ist nicht sexy genug.“ sagt der Chef des Journalisten Wolfgang W. Wienecke, der Serena Vitale interviewen möchte. Wienecke ist der Antiheld, der stattdessen ein Interview mit einem Mafiaboss führt und bei aller Eitelkeit nicht merkt wie dieser ihn für seine Zwecke benutzt.

So wie die deutschen Medien, allen voran die „Hamburger Magazine“ auf die Napolitano-Befragung und Reskis Roman reagieren, nämlich gar nicht, bestätigen sie die Medienschelte im Buch um so mehr. Die deutschen Medien möchten ihr Mafiabild behalten, Männer mit Sonnenbrillen, die „Angebote machen, die man nicht ablehnen kann“ und ansonsten eher ins Fach Folklore fallen. Den Verbindungen der Mafia bis in die höchsten Politikkreise nachzuforschen ist zu mühsam und würde womöglich auch das gepflegte Italienbild, dass vor allem von Dolce Vita geprägt ist beschädigen.

Petra Reski hat sich die Mühe gemacht. Sie ist seit Jahrzehnten Fachfrau für das organisierte Verbrechen. Und wer einmal Berichte in schweizer oder österreichischen Medien (siehe unten) anschaut, wird sich wundern wie viel Episoden aus dem Buch, auch nach dessen Veröffentlichung, in der aktuellen Berichterstattung auftauchen.

Aber auch wem nicht bei allen Romanfiguren gleich der Name der realen Person dazu einfällt, empfehle ich den Roman. Ein gut und spannend erzählter Thriller mit viel Atmosphäre. Und soviel sei verraten, Serena Vitale überlebt. Man kann sich also auf einen Fortsetzungsroman freuen. Dieser soll dann auch in Deutschland spielen.

Palermo Connection
Hoffman und Campe, 2014
ISBN 978-3455404715
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Quellen: Kritik in der TAZ, Bericht im SRF zur Zeugenbefragung Napolitanos, Bericht im Standard, die Zeit hat dann doch Petra Reski interviewt, Homepage von Petra Reski.

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