Ein Wein aus den Monti Affile bei Subiaco

Cesanese d'AffileRomolo Freire zeigt mir stolz seine 100jährigen Weinstöcke, die er in einem kleinen Teil der Azienda pflegt. Der junge Brasilianer hatte ursprünglich an der Filmhochschule in New York studiert und war dann zur RAI nach Rom gekommen. Er war auf dem Sprung zu einer Karriere in der Glitzerwelt des Films doch die Liebe verschlug ihn stattdessen in die Monti Affilani, nordwestlich von Rom. Eleonora Pensabene Perez, die seine Frau wurde, gründete mit der Unterstützung ihrer Eltern ein Weingut in ihrer Heimatgemeinde und das Ehepaar war schnell hauptberuflich damit beschäftigt einen aufgegebenen und verbuschten Weinberg in ein Vorzeigestück zu verwandeln.


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Affile, oberhalb von Subiaco ist seit menschengedenken mit seinem Wein verbunden. Der kleine Ort hat eine längere Geschichte wie man auf den ersten Blick vermutet. Er war schon lange vor der Gründung Roms besiedelt.  Bereits im 4. Jahrhundert v.Chr. von den Römern erobert wurde es 133 v.Chr. zur Kolonie erhoben. Aus dieser Zeit sind noch einige Mauerreste, insbesondere eine große Zisterne erhalten. Frontius erwähnte den Ort bereits als Afile oppidum. Dies beweist auch eine erstaunliche Kontinuität des Namens. Doch in dieser Zeit hat man auch bereits einen Rotwein hier angebaut, den Plinius in seiner Naturalis Historia Alveole nannte. Bereits Cäsar bezog für seine Legionäre Wein aus dieser Gegend und auch Nero, der eine Villa unterhalb Affiles an einem  heute verschwundenen Stausee hatte, schlürfte sicher diesen Wein, während er seine Musikstücke komponierte.

Affile Affile

Bei einer Höhe von über 500 m erwartet man keine guten Bedingungen für Weinbau. Doch die Kessellage des Gemeindegebiets, umgeben von hohen Bergen, schafft ein ganz eigenes Mikroklima. Kalte Nächte und Temperaturen die im Sommer oft über 30 C gehen, tun dem Wein gut. Der Cesanese d’Affile, wie er spätestens ab dem 18. Jahrhundert genannt wird verbreitete sich jedoch als wertvolle Rotweintraube schnell über Affile hinaus und war lange die vorherrschende Rotweinsorte Latiums. 1973 bekamen die Weine Cesanese d’Affile, Cesanese di Olevano und Cesanese del Piglio die Auszeichnung Denominazione di origine controllata (Kontrollierte Herkunftsbezeichnung), kurz DOC verliehen.

Romolo Freire vom Weingut Raimondo

Doch ausgerechnet in Affile ging es mit dem Weinbau in den 90er Jahren rapide bergab. Schließlich bauten nur noch wenige Bauern den Wein für den Eigenbedarf an. 2003 begann die Region Latium daher das Verfahren um die DOC-Bezeichnung wieder abzuerkennen. Gleichzeitig mit dem Start des Weinguts von Eleonora und Romolo. Es war eine Kraftübung und ein Ringen mit der Bürokratie für Eleonora Pensabene Perez um für ihr junges Weingut das DOC-Etikett zu retten und gleichzeitig zu lernen wie man den Bergen einen guten Tropfen abtrotzt. Letzendlich beides mit Erfolg. Heute produzieren wieder 4 Winzer in Affile den uralten Wein, mit dem Weingut Raimondo von Eleonora und Romolo an der Spitze. Der 2006er Cesanese, den ich im Glas vor mir habe, während ich dies schreibe, ist ein Genuss, doch der 2007er, den ich vorab probieren durfte, wird, wie es Romolo ausdrückte, eine Bombe. Bei über 14% Alkohol tatsächlich explosiv. Der Cesanese d’Affile hat den typischen leicht bitteren Geschmack, der an Bitterschokolade erinnert. Doch trägt er auch den Geschmack der umgebenden Wälder in sich. Der Duft von Himbeeren und Walderdbeeren steigt auf und verleiht ihm eine unerwartete Frische. Ein Wein mit einer 2000jährigen Geschichte, die zum Glück noch nicht zuende ist.

Cesanese d'Affile

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