Cesanese … was?    –    Ein Wein am Start

Mit dem Cesanese del Piglio verhält es sich ein bißchen wie mit dem TSG Hoffenheim, kaum hat man realisiert, dass es ihn überhaupt gibt, da ist er schon an der Spitze.

„Cesanese …. was?“ Auch in Rom kann man manchmal so eine Antwort hören, wenn man nach dem Cesanese del Piglio fragt. Mein Weinhändler am Testaccio hat natürlich Cesanese vorrätig. Cesanese di Affile, Cesanese di Olevano… Cesanese ist schließlich die vorherrschende Rotweintraube im Latium. Allerdings in einer Region, die fast zu 90 % Weißwein produziert, fällt das wenig ins Gewicht.

Aber ein Piglio. Für die Römer sind die Bewohner der benachbarten Provinz Frosinone, der Landschaft Ciociaria, doch eher Schafhirten als Weinproduzenten. Dabei haben die Herniker in den nach ihnen benannten Bergen (Monti Ernici) ihre Städte schon mit mächtigen Mauern umgeben, als Rom noch ein Dorf aus Strohhütten war. In Alatri und Ferentino kann man diese noch eindrucksvoll bestaunen. Die Herniker gehörten zu den ersten Bundesgenossen Roms und bekamen dafür 241 v. Chr. das römische Bürgerrecht. Im Gegenzug versorgten sie die Legionäre von Julius Cäsar mit ihrem Wein, damit sie gestärkt die Gallier bekämpfen konnten. Einem Wein, der der Vorfahr des Cesanese war.
PiglioIn Piglio

Vielleicht lohnte es sich wenn die Römer ein bißchen über den Tellerrand ihrer Castelli Romani blicken würden, denn der Piglio hat im letzten August als erster Wein der Region die Weihe der DOCG, der „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ bekommen. Diese Qualitätsstufe wurde 1980 eingeführt um eine Steigerung zur „kontrollierten Ursprungsbezeichnug“ DOC zu haben und wurde erst mal nur an die drei großen „B“, den Barolo, den Barbaresco und den Brunello di Montalcino vergeben. Aber auch in anderen Weinanbaugebieten lernte man dazu. Der Piglio ist aktuell der 41te italienische Wein, der die vier Buchstaben aufs Etikett drucken darf.

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Und so fahre ich hinaus in die Hernikerberge oberhalb des Saccotals. Die Genossenschaftskelter an der verschlafenen Landstraße unterhalb von Piglio wurde pünktlich zur Adelung ausgebaut. Allerdings nur Innen. Von Außen empfängt den Besucher noch eher der Charme von 1960, als die Winzer sich hier zusammenschlossen. Es wirkt immer noch sehr provinziell und die Bezeichnung „Cantina Sociale“ (Genossenschaftskelter) schreckt erst ein mal ab. Doch die zwei Damen, die mir die Proben eingießen, betonen die Konsequenz, mit der der sortenreine Ausbau betrieben wird. Selbstverständlich haben sie auch die Weine der unabhängigen Winzer vorrätig.

Natürlich habe ich ein Glas Piglio vor mir, während ich den Text schreibe. Nein das ist natürlich kein raumfüllender Wein wie der Barolo. Aber er ist überraschend samtig und weich. Auch ein bißchen bitter, nicht unangenehm. Mehr wie Halbbitterschokolade. Eben aus einer Landschaft, die komplexer ist, als sie auf den ersten Blick wirkt. Der Wein schafft, es die Monti Ernici wieder lebendig werden zu lassen, die als sanfte Hügel beginnen und mit den 2000 m hohen Gipfeln im Norden schon an ein Hochgebirge erinnern. Man schmeckt die Ginstersträucher, den Oregano, den warmen Dunst aus dem Saccotal und den kalten Wind aus den Abruzzen.
Acuto und die Monti Ernici
Nein liebe Barolo-Winzer, im Gegensatz zu Uli Hoeneß, der sich ernsthaft Sorgen wegen Hoffenheim machen muß, braucht ihr keine Angst haben. Mit nur 156 Hektar Anbaufläche in fünf Gemeinden fehlt die Masse, um euch auf den Märkten in USA und Japan Konkurrenz zu machen. Aber auf dem Weinsalon in Verona machte der Piglio Furore und erbrachte den Beweis, dass man in der Ciociara mehr als guten Pecorino (Schafskäse) herstellen kann.

Also liebe Freunde des italienischen Rotweins, merkt euch den Namen „Cesanese del Piglio“. Jetzt! Und nicht erst wenn ihn Krethi und Plethi in Designerkneipen für 10 Euro das Glas schlürfen.

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