Stadtführungen zu Weihnachten

Mitten in der Weltwirtschaftskrise ein Geschäft neu zu eröffnen braucht schon Mut. Doch Graziano Piperno hatte den richtigen Riecher, denn in den harten 30er und 40er Jahren brauchten die Römer dringend etwas um sich den Alltag zu versüßen. Schokolade eben. Und so wurde das Schokoladengeschäft zwischen dem Campo de’Fiori und dem Ghetto zu einer Institution in Rom.

Ich muss gestehen, dass ich auch des Öfteren hier zur Tür hereingekommen bin um den Schokoladenduft einzuatmen und die etwas antiquierte Atmosphäre zu genießen. Verkäufer in Kittelschürzen kletterten auf langen Leitern in die Regale um die Süßigkeiten die sie herab beförderten dann 100 g–weise abzuwiegen. Und natürlich ging ich nie ohne Tüte hinaus und war etwas enttäuscht als das Geschäft vor einigen Monaten wegen Umbaus schloss, aber auch gespannt auf das Ergebnis.

Nun die Kittelschürzen sind verschwunden, die Schokolade blieb, aber das Konzept ist ganz neu. Ein Café-Tresen kam hinzu. Und mit dem Espresso zwei neue Teilhaber, die dem neuen Geschäft sogar ihren Namen gaben, auch wenn das Gebäude weiterhin im Familienbesitz von Piperno bleibt. Das Geschwisterpaar Rita und Roberto Guido zog mit ein, denn was passt zu Schokolade besser als ein starker Kaffee.

Mit ihrer ersten Kaffeebar, schräg gegenüber, gerieten die Guidos in den 80er Jahren in Schwierigkeiten und standen kurz vor der Insolvenz. Doch eines Morgens stand der Schokoladenmann Piperno wie Sankt Nikolaus mit einer Überraschung vor der Tür. Er überreichte den verdutzten Geschwistern einen Blankoscheck mit der Bitte beim Ausfüllen nicht zu übertreiben. Es reichte um die drückenden Schulden loszuwerden. Und es entstand eine private, wie auch geschäftliche Freundschaft. Nun sind die Guidos ganz bei Piperno eingezogen und erweitern das Angebot. Und da auch ein Rotwein gut mit Schokolade harmoniert, hat Roberto noch eine kleine Weinabteilung angefügt.

Dafür, dass die Schokolade nicht zu kurz kommt sorgt Gabriele Sonino, der schon in den 50er Jahren in den Betrieb kam. Aus eigener Produktion stammen die, Weihnachten in Rom unvermeidlichen, Panettone und Ostern die monströsen Schokoeier. Das ganze Jahr gibt es Torrone und offene Schokolade. Ergänzt wird das Angebot mit italienischer und schweizer Confiserie. Ich bin froh, dass ein kleines Paradies für Schleckereien wieder erreichbar ist. Und kann den Kurzurlaub bei Kaffee und Süßem nicht nur dem empfehlen, der noch Nikolausstiefel (in Rom füllt man die Socken der Befana erst am 6. Januar) zu füllen hat. Eine kleine Pause während einer Besichtigungstour lohnt sich hier immer.

Caffè Guido, Via Santa Maria del Pianto, 59A, Roma


Frische Pralines - Mein süsses Leben

 

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