Die Burg von Bracciano

Ich war übers Wochenende außerhalb von Rom in Bracciano, habe wenig die Nachrichten verfolgt und erst im Zug nach Rom ausführlich Zeitung gelesen. Zur Finanzkrise und den somalischen Piraten kam in den letzten Tagen als neue Geissel die Schweinegrippe dazu. Da passt es wie die Faust aufs Auge, wenn man dann die Haustür aufschließt und einen schniefenden Mexikaner vorfindet. Nein kein apokalyptischer Reiter, nur der Putzmann, der das Treppenhaus schrubbt. Soll ich nun gleich wieder die Tür zuwerfen und zurück auf Land fahren?
 

Früher war das eine Lösung. 1481 floh Papst Sixtus IV. von Rom nach Bracciano, da in der Ewigen Stadt die Pest wütete. Als Gast der Adelsfamilie der Orsini, die die riesige Burg erbaut hatten saß er dort in dem Turmzimmer, in dem ich gestern stand. Man kann ihn sich gut vorstellen, dass er wie auf dem berühmten Fresko von Melozzo da Forlì in einem Lehnstuhl saß und auf den See hinaus schaute und wartete, dass ihm ein Bote mitteilen würde, dass die Seuche in Rom vorbei wäre. Nun ja, die Vorstellung des alten Manns im Lehnstuhl ist ja nett, aber Sixtus war tatsächlich ein knallharter Politiker. Er nutzte seinen Aufenthalt in Bracciano wohl eher um die Orsini gegen die konkurrierende Familie Colonna aufzuhetzen. Nur damit seine eigene Familie, als lachende Dritte, soviel Grundbesitz wie möglich einstreichen konnte. Die prächtigen Fresken die man heute im Papstzimmer bewundern kann hat Sixtus übrigens nicht gesehen, die hat Taddeo Zuccari erst ein Jahrhundert später, anläßlich der Hochzeit von Paolo Giordano Orsini mit Isabella de’Medici, gemalt. Für die Hochzeit von Tom Cruise mit Katie Holmes, 2006 in der Burg, wurden zum Glück keine Säle neu ausgemalt. Die riesige Burg mit ihren nicht enden wollenden Renaissancesälen wirkt ein bißchen düster, was aber auch am Regenwetter liegen mag. Der Hof mit seinen Arkaden wird heute für Theateraufführungen genutzt.

Ganz anders war das Verhältnis der Burgherren zum übernächsten Papst, Alexander VI. von Borgia. Er verortete die Orsini weiter in der Reihe der Verbündeten des Heiligen Stuhls und forderte sie auf Bracciano als Bollwerk gegen den auf Rom und Neapel vorrückenden König von Frankreich zu halten. Doch Virginio Orsini wechselte geschwind die Seiten und empfing Karl VIII. in allen Ehren auf seiner Burg. So wurden die Orsini zu Todfeinden der Borgia. Virginio wurde im Kerker des Castel dell’Ovo in Neapel vergiftet, doch seine Tochter Bartolomea konnte die Burg hoch über dem Braccianosee gegen die Söhne des Papstes Juan und Cesare Borgia mehrfach erfolgreich verteidigen. Die Borgia gingen unter die Orsini bestimmten weiter die Politik Mittelitaliens mit. Doch 1696 mußten sie die Burg an die aus der Lombardei stammende Familie Odescalchi verkaufen. Auch die Odescalchi haben heute eine Erbin, die die Burg mit Inbrunst verteidigt. Die junge, genauso hübsche wie geschäftstüchtige Maria Pace Odescalchi führt den Clan an und vermarktet die Burg, eben zum Beispiel mit Hochzeiten, wie die von Tom Cruise. Aber auch Eros Ramazotti und Michelle Hunziker gaben sich hier das Jawort.
Castello di BraccianoCastello di Bracciano

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