Vulkanismus im Latium – der Vulcano Sabatino

Die Erde unter unseren Füßen ist dünner und unsicherer als wir gerne denken. Daran wird man auch im Latium immer wieder erinnert, einer der vulkanisch aktiven Regionen Italiens. Bei Vulkanen denkt man gemeinhin an den Vesuv und den Ätna, doch auch rund um Rom gibt es Vulkane, den Vulcano Laziale, heute als Albaner Berge südlich von Rom gelegen und in einer Reihe nach Norden die Monti Sabatini, Cimini und Volsini. Diese Vulkane gelten als seit 40.000 Jahren erloschen. Zum Glück, wohne ich doch selbst auf einem Kraterrand.

Der Vulcano Sabatino entstand vor etwa 600.000 Jahren. Im östlichsten Teil des Gebiets, oberhalb des Tiber, wo heute die Via Flaminia verläuft, kam es zu Vulkanausbrüchen. Bald darauf entstand der Vulkankegel bei Sacrofano, wo man heute noch den Krater gut erkennen kann. Schließlich brach der Vulcano del Baccano aus, der die Region über Jahrtausende in eine Hölle verwandelte. Als das Magma aus seinen unterirdischen Kammern an die Oberfläche schoss, stürzten diese ein und füllten sich mit Wasser. Der Braccianosee war entstanden. Auch der Vulcano del Baccano fiel in sich zusammen, als er erlosch und bildet so heute das grüne und friedliche Valle del Baccano, auf dessen Rand mein Wohnort Campagnano liegt. Zuletzt waren nur noch die zwei kleinen westlichsten Krater aktiv, heute das Valle Stracciacappa und der Lago di Martignano.

Doch 40.000 Jahre sind geologisch ein Wimpernschlag. Weiterhin ist die ganze Region vulkanisch aktiv. An verschiedenen Stellen treten Gase aus. Die Sendung Quarks und Co im deutschen Fernsehen berichtete erst vor ein paar Wochen darüber. Bekannt geworden war der Fall von zwei Jägern, die auf mysteriöse Weise 1991 bei Vejano ums Leben kamen. Sie hatten sich hinter der Böschung des Flüsschens Mignone auf die Lauer nach Wildschweinen gelegt und waren unmerklich erstickt. Das Gas Kohlendioxid ist farb- und geruchlos und schlägt deshalb ohne Warnung zu. Das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie hat inzwischen eine Karte mit den bekannten Gasaustrittstellen in Italien erstellt.
Caldara di Manziana   Caldara di Manziana
Einige Kilometer südlich kann man den Gasaustritt trotzdem gut beobachten, denn er findet in einem sumpfigen Tal, der Caldara di Manziana, statt. Die Gasbläschen im Wasser machen es sichtbar. Schon von weitem riecht man den Schwefel, doch der ist nicht gefährlich. Aus tausenden kleinen Öffnungen im Schlamm tritt Kohlendioxid aus. Einen kleinen Teich verwandelt es in einen regelrechten Whirlpool. Kohlendioxid ist schwerer als Luft und wabert so über den Boden. In Nasenhöhe von Erwachsenen stellt es so keine Gefahr da. Auf Hinweisschildern wird jedoch davor gewarnt sich auf den Boden zu legen. Allerdings lädt der schlammige Untergrund nicht unbedingt dazu ein. Den Dackel lässt man jedoch besser im Auto. Immer wieder werden tote Wildschweine, Füchse oder Vögel gefunden, die beweisen, dass der Gasaustritt tatsächlich nicht ungefährlich ist. Die Kühe, die frei im Tal grasen, scheinen jedoch zu wissen, wo sie die Nase oben tragen müssen.

Mit dem kleinen Nervenkitzel als Zugabe ist die Caldara di Manziana jedoch ein beeindruckendes Naturschauspiel und eine Erinnerung daran, dass man dem vermeintlich sicheren Grund und Boden nicht zu sehr vertrauen sollte.

Die Caldara und der Vulcano Sabatino (rosa)

Caldara di Manziana auf einer größeren Karte anzeigen

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2 Kommentare zu „Caldara di Manziana“

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