Die Villa des Kardinals

Villa Farnese, Caprarola VT

Kardinal Alessandro Farnese (1520-1589) war einer der einflussreichsten Politiker seiner Zeit. Er mischte auf allen Bühnen mit, vermittelte zwischen Kaiser Karl V. und dem französischen König Franz I. und initiierte die Fortführung des Konzils von Trient. Würde er heute leben, wäre er ein heißer Kandidat für den europäischen Außenkommissar, allerdings gegen den Widerstand der evangelischen Länder, denn Alessandro war ein Protestantenfresser. Auf einem Fresko in seinem Palast, das Trientiner Konzil darstellend, sieht man am Rande die etwas ratlos blickenden Reformatoren Calvin, Zwingli und Luther vor einem imaginären Wir-müssen-leider-draußen-bleiben-Schild.

Luther, Calvin und Zwingli vor dem Trienter Konzil, Taddeo Zuccari AlessandroFarnese, Ausschnitt aus Gemälde von Tizian vermutliche Darstellung von Giulia Farnese durch Rafaello Santi Villa Farnese, Caprarola VT, Darstellung auf einem Fresko im Inneren

Alessandro Farnese verdankt seine Karriere vor allem seiner Familie, allen voran seiner Großtante Giulia, genannt die Schöne. Da der Papst Alexander VI. sich in die damals 15jährige verliebte, konnte diese ihren Einfluss als seine Mätresse für ihre Familie nutzen. Ihr Bruder Alessandro der Ältere wurde so zum Kardinal und 1534 schließlich als Paul III. selbst zum Papst. Sofort nach seiner Wahl ernannte er seinen damals 14jährigen Enkel (ja, auch Paul III. nahm es mit dem Zölibat nicht so genau) Alessandro zum Kardinal um ihm bereits vier Jahre später bei der Politik des Kirchenstaates weitgehend freie Hand zu lassen.

Noch vor seiner Wahl zum Papst begann Paul III. am Abhang der Monti Cimini mit dem Bau einer Festung um seinen Besitz gegen den Vatikan zu schützen. Als er dort selbst zum Chef wurde, war dieses Unterfangen überholt und der Unterbau blieb als Bauruine stehen. Erst der Enkel nutzte die fünfeckigen Fundamente um darauf einen der prächtigsten Familienpaläste Mittelitaliens im Stil der Spätrennaisance zu bauen. Den Auftrag gab Alessandro Farnese an Giacomo Barozzi da Vignola. Vignola war der wichtigste Theoretiker des Baukunst. Mit seinen Regeln der fünf Ordnungen der Architektur gab er den Architekten Grundsätze vor, die weit über seine Zeit Gültigkeit behielten.
Vignola entwarf oberhalb des Dorfes Caprarola einen klar gegliederten Bau auf der Grundlage eines gleichseitigen Fünfecks der über mehrere Terrassen erreichbar ist. Den Ort baute er gleich mit um und ließ eine lange steil ansteigende Straße anlegen, die die Monumentalität des Palastes noch weiter steigerte. Doch Vignola brach auch bewusst mit überkommenen Regeln und Erwartungen. Hinter dem großen Tor auf das die Achse des Ortes ausgerichtet ist, verbergen sich nur die Kellerräume. Zum eigentlichen Haupteingang muss man noch einige Rampen und Treppen erklimmen. Darüber öffnet sich eine großzügige Fensterfassade wie sie bis dahin nur für die Gartenseiten von Palästen verwendet wurden.

Apostel Johannes (links von der Tür), Federico ZuccariFür die Ausstattung rief Alessandro die wichtigsten Maler seiner Zeit nach Caprarola, vor allem das Brüderpaar Taddeo und Federico Zuccari. Man findet in den Innenräumen praktisch keinen Quadratzentimeter, der nicht mit Fresken bedeckt ist. Vorwiegend Themen aus der antiken römischen Mythologie werden gezeigt. In der Sala del Mappamondo sind die damals bekannten Erdteile (Australien war noch unbekannt) und die Tierkreiszeichen dargestellt. Doch auch die Selbstdarstellung der Farnese bekommt genügend Raum. In einem ausführlichen Zyklus werden die Taten der Familie und das Zusammentreffen Alessandros mit den Größen des 16. Jahrhunderts dargestellt. Vergleichbar den Fotogalerien auf den Internetseiten moderner Politiker. Kurz vor Fertigstellung muss dem Bauherren dann noch eingefallen sein, dass er ja Kardinal der katholischen Kirche ist und so ließ er wenigstens die Kapelle des Palastes mit christlichen Motiven, wie den Aposteln ausmalen. Doch die Darstellung des Johannes ist dabei Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker, die Maria Magdalena als Jüngerin sehen. Er ist so eindeutig weiblich dargestellt. Oder sah Federico Zuccari eine antike Drag-Queen in ihm? Man kann Wochen beim Betrachten der Fresken verbinden. Doch sollte man nicht vergessen einen Spaziergang durch die umfangreichen Gärten zu unternehmen. Noch ein Höhepunkt in Caprarola.

Über zwei Brücken über den alten Wehrgraben erreicht man den Sommer- und den Wintergarten. Zwei streng geometrisch angeordnete Parkanlagen. Dahinter wandert man durch ein Kastanienwäldchen bergaufwärts. Ich muss zugeben, dass ich fleißig Kastanien gesammelt hab um morgen eine Zuppa die Ceci zu kochen.

Clelia Farnese, Porträt von Jacopo Zucchi, Galleria Nazionale d'Arte Antica di Palazzo Barberini, Roma Schließlich treffen wir auf eine grandiose Treppe in deren Mitte sich eine Kaskadenreihe ergießt. Rechts und links des Aufgangs zum Giardino delle Delizie, dem Garten der Vergnügungen stehen zwei Hermen, die zur Verschwiegenheit und zur Vorsicht mahnen. Wir können uns gut vorstellen welche Vergnügungen in dem Garten und dem Lusthaus auf der obersten Terrasse und zwischen den zahlreichen Statuen und Wasserspielen stattfanden. Auch Alessandro hatte eine Tochter, Clelia Farnese, für die er aufopfernd sorgte. Clelia fand in Giangiorgio Cesarini, Graf von Ardea einen Ehemann, der ihre Leidenschaft für die Antike teilte. Beide legten den Grundstock für die Farnesische Sammlung, die heute der Stolz des Nationalmuseums in Neapel ist.

Nach Alessandro Farneses Tod benutzte die Familie die Villa in Caprarola kaum noch. Sie hielt sich vor allem in ihren Herzogtümern Parma und Piacenza auf. Die letzte Farnese, Elisabetta, heiratete 1714 den spanischen König Phillip V. Noch einmal eine starke Frau die für ihre Familie kämpfte und dafür sorgte, dass ihr Sohn als Karl III von Bourbon König von Spanien wurde. Damit leitet sich auch der heutige spanische König Juan Carlos in seiner Ahnenreihe von der schönen Giulia, der Mätresse des Papstes her. Diese Giulia, die 1524 im Nachbarort von Caprarola, in Carbognano starb, vermachte ihren ganzen Besitz ihrer Tochter. Ihrem Bruder soll sie nur ihr Bett hinterlassen haben, als Erinnerung daran welchem Möbelstück er seinen Aufstieg zu verdanken hat.

 

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Lage der Villa Farnese in Caprarola


Villa Farnese, Caprarola auf einer größeren Karte anzeigen

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