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Wenn man von der alten Römerstraße der Via Cassia zur nicht weniger geschichtsreichen Via Flaminia wechselt, kommt man durch das idyllische Städtchen Castel Sant’Elia, das bereits in vorrömischer Zeit von den Faliskern besiedelt war. Gleich hinter der ummauerten Altstadt biegt rechts eine kleine Straße ab und man fällt förmlich in eine tiefe Schlucht, einen Canyon, von dem man auf der Hauptstraße noch keine Ahnung hatte. Zwischen den steilen Felswänden steht eine auf den ersten Blick unscheinbare Kirche. Im Jahr 557 wurde das dem Propheten Elias geweihte Kloster zum ersten Mal erwähnt. Doch die aktuelle Kirche wurde im 11. Jahrhundert vom Abt Elia, der so zum zweiten Namenspatron wurde, errichtet. Allerdings wurden dabei Teile der der alten Kirche wiederverwendet. So die Portale, die mit Flechtwerk aus der Zeit der Langobarden verziert sind. Wenn man genau hinsieht erkennt man Männlein die sich darin verheddern und Jonas, der vom Wal verschlungen wird.

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Diese Kirche ist wirklich ein Bauwerk für das man sich Zeit lassen sollte. Im Inneren sind romanische Fresken erhalten, die man in dieser Ausführlichkeit in Mittelitalien nicht ein zweites Mal findet. Das sind Bilder die zur Entdeckung einladen. Bei vielen ist die Bedeutung auch noch ungeklärt. In der Apsis findet man Christus mit Elias, Petrus und Paulus und einem vierten unidentifizierten Heiligen, darunter die zwölf Lämmer Gottes. Ungewöhnlich die Darstellung von Jungfrauen, die Kronen herbei tragen. Angeführt von zwei Engeln, mit ganz eigenartigen spiralförmigen Geräten in der Hand. Herr Däniken übernehmen Sie. Auf der rechten Seite sieht man eine ausführliche Darstellung der Apokalypse. Auf der linken Seite findet man zwischen den romanischen Heiligendarstellungen das Porträt einer jungen Frau, das offensichtlich erst viel später, wohl im 14. Jahrhundert angefügt wurde. Was hat diese Dame in diese Kirche verschlagen. Sie schaut etwas gelangweilt, missmutig dem Besucher entgegen. Kein Wunder, es ist die heilige Odilia, Patronin des Elsass mit einem bewegten Leben.

Schaut euch in der Kirche um, ihr findet noch viel mehr Eigentümlichkeiten. Am meisten faszinieren mich jedoch fünf Männlein am Kapitell ganz vorne linksFigurenkapitell in der Kirche. Während die anderen Säulen aus römischen Ruinen zusammengeklaubt wurden, hat sich hier ein Meister in der Zeit verwirklicht, als in Castel Sant’Elia die Langobarden herrschten. Sie schauen mit großen Augen von ihrem Platz herunter und halten sich ein bisschen verängstigt an den Händen. Aliens aus einer weit zurückliegenden Zeit. Und trotzdem anrührend. Man will ihnen zurufen; „Habt keine Angst. Ihr könnt herunter kommen. Die Völkerwanderungszeit ist vorbei. Es fallen keine Barbaren mehr plündernd ein.“ Doch sie bleiben dort oben und verbergen ihre Gedanken seit gut 1200 Jahren. Wir wissen nicht wer sie sind, die fünf Männlein, woher sie kommen und was mit ihnen geschah. Aber sie sind Boten aus einer geheimnisvollen Vergangenheit.

Basilica Sant'Elia

Lage der Basilica Sant’Elia

Basilica Sant’Elia, Castel Sant’Elia VT auf einer größeren Karte anzeigen

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