Was machte Mr. Morse drei Meter über dem Himmel?
CervaraIch verlasse die Autobahn Rom – Teramo bei der Ausfahrt Mandela (nicht nach dem südafrikanischen Expräsidenten benannt). Über Arsoli fuhr ich in Richtung Nationalpark „Monti Simbruini“ in dem es noch ansehnliche Wolfsrudel geben soll. Und die Strasse entlang des Nationalparks bietet wunderschöne Ausblicke, wenn auch nicht auf Wölfe, die sich hier eher vom Menschen fernhalten.
Besonders schön liegt Cervara ein Dorf, dass sich rund um eine Burg, an einen steilen Felsen klammert. Einen kurzen Abstecher wert.
Cervara macht es seinen Besuchern nicht einfach. Es leitet sie auf einen Parkplatz. Und dann steht man am Beginn einer langen Treppe. Quasi einer Himmelsleiter. Denn in seiner Eigenwerbung bezeichnet sich das Dorf als „drei Meter über dem Himmel“ gelegen. Das höchstgelegene Dorf der Provinz Rom, 1053 Meter über dem Meer.
Und so schnauft der gutwillige Besucher dann hinauf. Wieviel Meter? Sind das hundert? Auf jeden Fall sehr viele!
Ein schönes Dorf, geschmückt mit bunten Mosaiken moderner Künstler. Herausgeputzt wie zum Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.
Allerdings menschenleer. Man sieht keinen Menschen auf der Straße. Es gibt auch keine Bar, keine Möglichkeit für Kontakte zur einheimischen Bevölkerung. Laut Wikipeda nimmt die kontinuierlich ab und ist bei unter fünfhundert Seelen angelangt.
Oben an der Burg werkeln zwei Bauarbeiter. „Da kommt jemand!“ Ruft der eine dem anderen zu. Ja OK, ich habe das „Betreten der Baustelle verboten“ Schild ignoriert. Ich habe keine Lust auf Diskussionen und schleiche mich.
Treppauf, treppab. Durch enge Gassen, durch dunkle Tunnels unter dem Rathaus hindurch. Jeder Schritt ein neuer Eindruck, ein neuer Ausblick in die Bergwelt der Abruzzen.

Morse in CervaraAuf einer Tafel wird daran erinnert, dass Anfang des 19. Jahrhunderts Samuel Finley Breese Morse in diesem Dorf einen Sommer verbracht hat.
Was brachte den Erfinder des Morsealphabets dazu in dieses abgelegene Kaff zu ziehen. Gut heute ist Cervara nicht mehr wirklich abgelegen. In einer Viertelstunde ist man auf der Autobahn und dann noch 60 km bis Rom. Doch noch heute ist man hier in einer anderen Welt.

Aber zur Zeit von Morse war das hier doch außerhalb von Zeit und Raum. Ist er mit einem Maultier hier hoch geritten. Was suchte er hier?
Er hatte eine schwere Zeit als er nach Europa kam. Er war auf einem guten Weg bei der Entwicklung des Telegrafs, aber in Amerika nahm ihn niemand ernst. In London erging es ihm nicht besser. Also hierher, wo sich sicher niemand für Telekommunikation interessierte. Obwohl man es hier doch am nötigsten gehabt hätte. Abgeschnitten von allem. Kein gesellschaftliches Leben, keine Zeitung. Verbindung zur Welt nur über unwegsame Pfade.
Und vielleicht war es das was Morse als Inspiration brauchte. Ich weiß nicht was er hier machte einen Sommer lang. Gab es eine Liebe zu einem Hirtenmädchen. Hat er die unbändige Natur gemalt. Er war ja Professor für Malerei in Yale.
Nachzulesen ist jedenfalls, dass als er nach Amerika zurückkehrte, er seiner Erfindung den letzten und entscheidenden Schliff gab. Das nach ihm benannte Alphabet aus Strichen und Punkten. Einfach wie die Welt von Cervara.
1843 bewilligte der amerikanische Kongress 30 000 Dollar für den Bau einer Telegrafenleitung zwischen Washington und Baltimore. Am 24. Mai 1844 schickte Morse darüber die erste Nachricht, den Satz: „Was hat Gott bewirkt?“. Oder war es eher der Geist von Cervara,
Der Ort liegt im Dunst des frühen Nachmittags und schweigt.

Cervara   Cervara
Zufahrt nach Cervara

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