Die Katakombe am zehnten Meilenstein

Der lateinische Ortsname „Ad Decimum“ bedeutet einfach am 10. Meilenstein. In diesem Fall ist die Entfernungsangabe auf der Via Latina gemeint, zehn römische Meilen also fast 15 km vom Zentrum Roms entfernt. Die Via Latina, eine der ältesten Römerstraßen, führte in das Gebiet der Latiner in den Albaner Bergen östlich von Rom. Heute wird ihr Verlauf von der Via Anagnina nachgebildet. Ad Decimum findet sich hinter dem Autobahnring, am Beginn des Gemeindegebiets von Grottaferrata.

Im Gebiet am Fuß der Albaner Berge gab es in der Antike keine Stadt aber viele Villen und Landgüter. Vermutlich Bedienstete der Villen lebten in einem kleinen Dorf, eben am zehnten Meilenstein. Die Bewohner dieser Ansiedlung waren wohl schon im 3. Jahrhundert zum großen Teil Christen und bestatteten Ihre Toten wie ihre Glaubensgenossen in Rom in einer Katakombe. Die Katakomben dienten nicht als Versteck, sie waren einfach ein billiger und platzsparender Friedhof. Man schätzt dass am zehnten Meilenstein, Ad Decimum, durchschnittlich fünf Christen pro Jahr beigesetzt wurden. Man musste also etwa 10 Meter pro Jahr die Katakombe weiter in den Tuff graben, bis am Ende des 5. Jahrhunderts ein kleines Labyrinth mit etwa 1000 Gräbern entstanden war.

Diese Katakombe ist verglichen mit den großen Katakomben in Rom, die Calixtus-Katakombe hat 20 km Gänge, klein, aber keineswegs uninteressant. Abgesehen davon, dass man in der Calixtus Katakombe auch nicht mehr besichtigen kann als in Ad Decimum. Das besondere an dieser Katakombe ist, dass die meisten Gräber noch verschlossen sind. Da man im Mittelalter die Knochen aus den Katakomben als Reliquien verkauft hat, findet man in den römischen Katakomben nur leere Gräber. Nur die Katakombe Ad Decimum vermittelt noch den Eindruck einer intakten Katakombe.

Nur an wenigen Gräbern sind die Inschriften erhalten, teilweise in Griechisch, die ursprüngliche Sprache der Christen, teils lateinisch. Keine Inschrift gibt den Geburtstag an, dafür das genaue Alter in Jahren, Monaten und Tagen. Teilweise sind die Gräber mit christlichen Symbolen, wie dem Guten Hirten verziert. Das Kreuz findet man nicht, das wurde erst später üblich. Rätselhafterweise ist auf einer Grabplatte eine Maus mit einem Stück Käse abgebildet. Eines der letzten Gräber, unter einem in den Tuff gegrabenen Bogen ist mit schönen Fresken geschmückt. Man sieht Jesus zwischen Petrus und Paulus, darunter eine Reihe von 12 Schafen, die für die Apostel stehen. Auf der Seite taucht das Gesicht des Lazarus wie aus dem Nebel der Geschichte auf.

Um das Jahr 500 endete die Nutzung der Katakombe. In der Völkerwanderungszeit wurden die Villen und Dörfer im Umland von Rom verwüstet. Da in Ad Decimum keine bekannten Märtyrer begraben waren, wurde sie schnell vergessen und nicht geplündert. Erst ab 1915 wurde sie wieder ausgegraben. Ein Ausflug zu dieser besonderen Katakombe lohnt sich auf jeden Fall.

Gerne organisieren wir eine Besichtigung dieser Katakombe, z.B. im Rahmen einer Rundfahrt in die Albaner Berge. Lassen Sie sich ein Angebot erstellen.

Buchung und Auskunft unter: info@stadtbesichtigungen.de

oder Telefon: +39 – 346 – 853337

weitere Stadtführungen in Rom

Gruppo Archeologico Latino – Colli Albani “Bruno Martellotta”

siehe auch: Kloster des Hl. Nilus in Grottaferrata

 

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