Ruinenstadt im Grünen

Der Löwe von Monterano

Wenige Kilometer nördlich von Rom, hinter dem Braccianosee, beginnt ein sehr dünn besiedeltes Gebiet, dass sich als Wanderziel für Naturliebhaber anbietet. Doch nicht nur Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten, man trifft auch auf zahlreiche geschichtliche Zeugnisse. Vor allem die Tolfaberge waren in der Antike und im Mittelalter, Dank des reichen Vorkommens von Mineralien wie Eisen und Alaun, viel mehr bevölkert wie heute.So trifft man etwas westlich des Ortes Canale Monterano auf die eindrucksvolle Ruinenstadt Monterano. Man folge zu Fuß, oder mit dem Auto bis zu einem kleinen Parkplatz, links an der Kirche von Canale der Via Monterano und dann nach rechts der Via Palombara.

MonteranoWie viele Orte im Latium hat Canale Monterano eine Geschichte die sich über drei Jahrtausende bis in die Bronzezeit zurückverfolgen läßt und genau wie andere Orte wechselte die Stadt alle paar Jahrhunderte ihren Standort. Dort wo sich heute die Ruinen von Monterano aus dem üppigen Grün erheben erstreckte sich spätestens im 8. Jahrhundert v. Chr. eine Etruskerstadt, deren Name nicht überliefert ist. Doch vermutet man, dass die etruskische Göttin des Totenreichs Manturna im Namen Monterano nachklingt. Die Stadt gehörte zum mächtigen Caere, dem heutigen Cerveteri, das den Seehandel bis Sizilien beherrschte. Monterano versorgte es mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Holz und Eisen und genoss Wohlstand, wie die reich ausgestatteten Gräber in den nahen Tälern beweisen. Das änderte sich als Caere 353 v. Chr. von den Römern unterworfen wurde. Monterano geriet ins Abseits. Die Römer brauchten die Produkte der Stadt nicht mehr und Monterano entvölkerte sich. Dafür erlebten andere Orte einen Aufschwung. Das nahe Stigliano wurde, dank seiner Schwefelquellen, unter dem Namen Aquae Apollinares zum beliebten Kurort der Römer. An der Via Clodia, die entlang des Braccianosees nach Norden in die Toskana führte entstand Forum Clodii, das zu einer Handelsstadt und ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. zum Bischofsitz wurde. Fast acht Jahrhunderte war die Lage an der Fernverkehrsstraße der Standortvorteil der Stadt, dann wurde sie plötzlich zu ihrem Verhängnis. Denn nach dem Ende des Römischen Reichs drängten über diese Straße drängten immer neue Barbarenvölker Richtung Rom und fielen über das wehrlose Forum Clodii her. So verschanzten sich dessen Bewohner wieder im alten Etruskerort Monterano. Der Bischof zog um das Jahr 1000 von Monterano nach Sutri. Doch wird bis heute der symbolische Titel des Titularbischofs Foroclodiensis vom Papst verliehen. Zur Zeit schmückt sich Angel Gelmi Bertocchi aus Bolivien mit dem Titel. Ob er jemals in Monterano war?

MonteranoMonterano war ein Landstädtchen, das nacheinander unter die Herrschaft verschiedener Adelsfamilien geriet. Zuletzt waren es 1671 die Altieri die es erwarben und barock ausbauen ließen. Westlich von Monterano siedelten sie Bauern aus der Toskana an, deren Dorf lange von den Monteranesi verächtlich „Die Hütten“ genannt wurde. Doch schließlich setzte sich der Name „Canale“ durch, da die Häuser an der Straße wie an einem Kanal aufgereiht waren. Doch gleichzeitig breitete sich im Tal des Mignone die Malaria aus, die das Leben in Monterano immer mehr beeinträchtigte. Viele Bürger zogen in das eben noch geschmähte, aber gesündere Canale um. Doch der letzte Schlag erreichte die Stadt 1799. Im Jahr zuvor hatten die Franzosen den Kirchenstaat eingenommen und die Römische Republik installiert. In Tolfa, einem Nachbarort von Monterano, war die Mühle zerstört. So wanden sich die Bauern von Tolfa mit ihrem Korn nach Monterano und seiner intakten Mühle. Die französische Besatzung von Tolfa witterte jedoch Aufruhr und schickte den Bauern Soldaten hinterher, die in einer Machtdemonstration Monterano plünderten und anzündeten. Die Bewohner flohen in die umliegenden Dörfer und, da sie keine Mittel für einen Wiederaufbau hatten, richteten sie sich dort auf Dauer ein. Nur zwei Mönche hielten noch für ein paar Monate in ihrer Klosterruine die Stellung, bis sie auch von ihrem Orden abgezogen wurde. Canale trat das Erbe seiner Mutterstadt unter dem Namen Canale Monterano an.

Monterano, Palazzo AltieriUnd so findet man auf dem Hügel von Monterano, mitten im Grün nur noch Ruinen. Der mächtige Palast der Altieri wurde über ein Aquädukt mit Wasser versorgt. Damit wurde auch der Löwenbrunnen betrieben, den Gian Lorenzo Bernini schuf. Der originale, etwas ramponierte Löwe steht heute im Rathaus von Canale. Vor einigen Jahren hat man eine Kopie an der ursprünglichen Stelle aufgestellt. Die Kaskaden die unter dem Tier rauschten muß man sich allerdings dazu vorstellen. Das gleiche Spiel geschah mit Berninis Oktogonbrunnen. Nach der Aufgabe von Monterano versetzte man ihn auf den Marktplatz von Canale. Nun steht in Monterano eine Kopie.

Bernini war von den Altieri beauftragt worden den Ort barock umzugestalten. Sein Hauptwerk ist sicher das Kloster San Bonaventura, das 1677 bis 1679 gegenüber dem westlichen Stadttor errichtet wurde. Die Glockentürmchen sind eingestürzt, die wertvollen Baumaterialien herausgebrochen. Doch vielleicht ist es jetzt, nach dem es Teil der Landschaft geworden ist schöner wie zuvor.

Monterano, San Bonaventura


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