Castel Paterno, oder was davon übrigblieb

Castel Paterno – Kaiser Otto III. starb hier vor 1008 Jahren

Vor genau 1008 Jahren starb wenige Kilometer von meinem Wohnort ein junger Mann der vielleicht die Weltgeschichte verändert hätte, wenn er denn älter geworden wäre. Kaiser Otto der Dritte starb in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 1002 in der Burg Paterno über dem Trejatal, heute im Gemeindegebiet von Faleria, Provinz Viterbo. So machte ich mich letzten Samstag auf um diese Stätte zu besuchen. Die Burg Paterno ist allerdings kein Touristenziel und selbst bei den direkten Anwohnern unbekannt. Immerhin wurden vor kurzem beim Friedhof der Gemeinde Faleria Hinweisschilder zur Burg aufgestellt. Trotzdem war ich froh, dass ich noch einen Jäger traf, der mir den genauen Weg sagen konnte, einen unscheinbaren Feldweg. Ob Otto den Weg genauso genoss wie ich als er an einem Januartag hier mit seinem Gefolge entlang ritt weiß ich nicht. Wahrscheinlich ging der Weg noch durch dichten Wald und nicht wie heute zwischen Olivenbäumen, die fesselnde Blicke in die weite Landschaft freilassen. Ins Tibertal, zum mysteriösen Berg Soracte und bis zu den Vulkanbergen der Monti Cimini und Monti Volsini. Unabhängig vom Ziel eine wunderschöne Vorfrühlingswanderung.

Otto III. im Evangelium des Meisters der Reichenauer SchuleOtto III. (geboren 980) war nach dem überraschenden Tod seines Vaters Otto II. bereits mit drei Jahren zum deutschen König gewählt worden. Für ihn übte jedoch seine Mutter Theophanu, eine gebildete byzantinische Prinzessin die Herrschaft aus. Keine schlechte Zeit, denn Theophanu wählte statt des Krieges das Mittel der Diplomatie zum Instrument ihrer Macht. Sie arrangierte sich dabei mit ihrer Schwiegermutter Adelheid, die nach dem frühen Tod Theophanus allein als Kaiserin regierte, bis mit 14 Jahren Otto für volljährig erklärt wurde. Adelheid war in erster Ehe mit dem letzten italienischen König Berengar und in zweiter Ehe mit Kaiser Otto I. verheiratet und gab so Otto III. den Anspruch auf beide Kronen mit in die Wiege. Bereits 996 begab sich Otto III. auf die Reise nach Rom um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Doch auf dem Weg dorthin erfuhr er, dass der Papst der die Krönung vornehmen sollte verstorben war. Kurzerhand erklärte er in Ravenna seinen Verwandten Bruno von Kärnten zum neuen Papst Gregor V. Ein unerhörter Vorgang, denn bisher hatten die Römer ihren Bischof immer selbst gewählt. Gregor V., mit 24 kaum älter als Otto und einer der jüngsten Päpste der Geschichte, krönte seinen Cousin bei der Ankunft in Rom sogleich zum Kaiser. Doch als der frischgebackene Monarch wieder abzog musste Gregor auch aus Rom fliehen. Die römischen Adelsfamilien kürten Johannes XVI. zu ihrem Papst. Als Otto im Februar 998 nach Rom zurückkehrte übte er blutige Rache. Dem Gegenpapst wurden Ohren, Nase, und Zunge abgeschnitten und die Augen ausgestochen. So verstümmelt wurde er auf einem Esel durch Rom geführt. Auch im ansonsten nicht zimperlichen Mittelalter erregte dieses brutale Vorgehen großen Protest. Auf Intervention des Heiligen Nilus von Rossano durfte Johannes immerhin sein Leben in einem Kloster fristen. Er überlebte dort Gregor V., der bereits im folgenden Jahr eines sicher nicht natürlichen Todes starb. Und wieder ernannte Otto einen Ausländer zum Papst, seinen Lehrer und Vertrauten, dem gelehrten Mathematiker und Franzosen Gerbert von Aurillac, der als Silvester II. den apostolischen Stuhl bestieg. Der Wissenschaftler erwarb sich schnell den Ruf eines Hexenmeisters, der mit dem Teufel im Bund sei.

Grottaferrata 09Otto III. hatte vor das Römische Reich zu erneuern. Er baute in den Ruinen der alten Kaiserpaläste auf dem römischen Palatin seine Kaiserpfalz. Er residierte so oft wie kein anderer Kaiser in Rom. Nach langen Verhandlungen fand er in der byzantinischen Prinzessin Zoe eine standesgemäße Braut. Zoe war die Tochter des Kaiser Konstantin VIII. von Konstantinopel, der ohne männlichen Erben stab. Bei einer Heirat hätte Otto auch Anspruch auf die byzantinische Krone gehabt. Er hätte nach 500 Jahren das west- und das oströmische Reich wieder zusammenführen können und die Weltgeschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen. Doch als Zoe in Bari an Land ging war Otto bereits tot. Sie kehrte in ihre Heimat zurück und regierte von 1028 bis 1050 mit wechselnden Ehemännern das Byzantinische Reich.

Otto hatte im Jahr 1001 nach einem Aufstand der Römer nach Ravenna fliehen müssen. Im Januar 1002 bereitete er seine Rückkehr vor und beschloss in der Burg Paterno auf militärische Unterstützung zu warten. Wahrscheinlich gemeinsam mit Papst Silvester II. reiste er auf der alten Via Flaminia nach Süden. Wahrscheinlich noch auf dem antiken Pflaster und entlang römischer Grabmäler, die zu verfallen begannen. Kurz vor dem Soracte bog er nach Paterno ab, der Burg, die er schon früher besucht hatte. Als er dort nach wenigen Tagen starb, machte schnell die Legende eines Giftanschlags die Runde. Doch der Kaiser starb wahrscheinlich mit gerade 21 Jahren an der Malaria. Sein Tod wurde anfangs geheim gehalten um die Überführung nach Deutschland zu organisieren. Er wurde am 5. April 1002 in Aachen in der Pfalzkapelle neben Karl dem Großen beigesetzt.

Paterno ist heute ein mystischer Ort. Nichts erinnert daran, dass dies vor einem Jahrtausend ein Ort der Weltgeschichte war. Die Reste der Umfassungsmauern sind mit Efeu zugewachsen. Man muss sich durch Dornengebüsch ins Innere vorkämpfen. Der Bergfried ist nur noch ein überwucherter Schuttberg. Doch man hat die Aussicht auf den Soracte, wie sie Otto III. hatte wenn er an ein Fenster trat, falls das sein Fieber noch erlaubte. Der Berg Soracte, der heilige Berg der Falisker, später Sitz von Apollo und später der Berg auf dem Papst Silvester I. als Eremit lebte. Auf der anderen Seite des Tales sieht man Civita Castellana über den Felsen der Schlucht hängen. In der Ferne schauen die schneebedeckten Gipfel der Abruzzen herüber.

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Die Lage der Burg

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2 Kommentare zu „Paterno – Burg von Otto III.“

  • Ralf Bordewieck:

    Vielen Dank für den Artikel und damit das Licht in den (fast) vergessenen Abschnitt der Geschichte. Wo genau liegt denn die Burg, vielleicht mögen Sie noch einen Link zu Google Maps einfügen?

  • Claudius:

    Danke für die Anregung, der ich gerne nachkomme.

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