Wenn man von der Autobahn Rom – L’Aquila an der Ausfahrt Vicovaro abfährt erreicht man nach 25 km in schöner Lage zwischen den Monti Simbruini das Landstädtchen Subiaco.

Ein Ort mit einer zweitausendjährigen Vergangenheit voll Geschichte und Geschichten.

Begonnen hat alles mit Kaiser Claudius, der über den Aquädukt Anio Novus aus dem Tal frisches Trinkwasser nach Rom bringen ließ.  Den Fluss Aniene lies er zu drei Seen aufstauen lies, damit sich darin Sand und Erde absetzen konnten und das Wasser so klarer wurde. Sein Adoptivsohn Nero erkannte den touristischen Wert der Seen und errichtete hier seine Sommerfrische mit dem passenden Namen „Sublaqueum“, unter den Seen. Gleich wenn man den Ort nach Osten verläßt, trifft man auf die Reste seiner Villa. Vielmehr war es ein Landschaftspark in dem verschiedene Pavillons standen.

Natürlich zog die High-Society Roms sofort nach und es entstand so etwas wie das St. Moritz der Antike, das gut ein halbes Jahrtausend in Mode blieb und auch von nachfolgenden Kaisern besucht wurde.

Eine ganz andere Geschichte begann als um das Jahr 500 der junge Benedikt von Nursia, dem gottlosen Treiben der Metropole Rom überdrüssig, sich eine Einsiedelei, fernab jeder Zivilisation suchte. Hier wird die Situation paradox, denn die Villen an den Seen waren zu dieser Zeit durchaus noch in Benutzung. Die Nero-Villa noch intakt. Doch keine 100 Meter von dieser Villa fand Benedikt eine Grotte in der er drei Jahre lebte, von einem anderen Mönch namens Romanus über einen Flaschenzug versorgt. Vor der Höhle wuchs ein Dornengebüsch, in das sich Benedikt nackt warf, wenn ihn die Versuchung überkam. Franz von Assisi pfropfte bei einem Besuch Rosen darauf.

Benedikts Schwester Scholastika überredete ihn schließlich seine Höhle zu verlassen. Man brauchte ihn um eine Gemeinschaft von Einsiedlern im Tal bei Vicovaro auf Vordermann zu bringen. Doch diese Landkommune war wohl wenig begeistert von ihrem neuen Abt, der ihnen Zucht und Ordnung beibringen sollte. Sie versuchten ihn mit einem vergifteten Brot zu beseitigen. Doch ein Rabe trug das Gebäck rechtzeitig davon. Benedikt kehrte jedoch nach Subiaco zurück und gründete in einem Nebengebäude der Nerovilla sein erstes Kloster, San Clemente. 12 weitere sollen gefolgt sein. Doch nur das seiner Schwester geweihte Santa Scolastica ist heute erhalten. Von den anderen wurden bisher keine Spuren gefunden. Santa Scolastica ist heute das Mutterkloster der Benediktiner im Tal. Zwar wurde das Kloster im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber der zweite Kreuzgang (15. Jhd.) und vor allem der schöne dritte Kreuzgang (13. Jhd.) mit Kosmatenverzierungen und Fresken aus dem 14. Jhd. blieben erhalten. Genauso der romanische Campanile, der laut einer Inschrift 1052 – 53 erbaut wurde und so einer der ältesten Italiens ist. Die barocke Klosterkirche stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Der eifrige Klostergründer Benedikt muss dem Bischof von Tivoli ein Dorn im Auge gewesen sein, der seinen Einfluss im Anienetal, Teil seiner Diözese, schwinden sah. Er schickte einen Priester namens Fiorenzo vor, der den Heiligen mobbte. So lies er 13 nackte Jungfrauen vor den Mönchen tanzen. Gegen diese Show half auch kein Dornbusch mehr. Benedikt zog von dannen und gründete auf dem Montecassino, das heutige Mutterkloster der Benediktiner. Doch die Klöster von Subiaco blieben bestehen und wurden schließlich zu einem autonomen Territorium, das direkt dem Papst unterstellt war.

  

Dort wo Benedikt in seiner Grotte saß wurde im 13. Jahrhundert das Kloster San Benedetto errichtet. Vielmehr es hängt, wie ein Schwalbennest, an einer steilen Felswand. Die kleine Eingangspforte lässt nicht erahnen welch ein Labyrinth an übereinander gestapelten Kirchen und Kapellen den Besucher erwarten. Alles über und über mit leuchtenden Fresken (8. bis 17. Jhd.) bemalt. Kein Quadratzentimeter blieb frei. Ein Bilderbuch das man tagelang ansehen könnte. Da sieht man den Einzug Jesu in Jerusalem. Er reitet auf einem Esel, der an einem Palmzweig knabbert. Im Hintergrund klettern Kinder auf Palmen um Nachschub zu holen. Ein kleiner, dicker Junge sitzt dabei und spielt gedankenversunken auf einer Flöte. Gegenüber verrät Judas Jesus mit einem Kuss. Die Jünger fliehen, einer verliert dabei sein Gewand. Interessant, dass bei der Kreuzigung (14. Jhd, sienesiche Schule) die römischen Soldaten als Türken dargestellt sind. Wenn man von der Oberkirche hinunter steigt sieht man immer wieder Szenen des Lebens des heiligen Benedikt. Seine Wunder, wie er z.B. einem gotischen Bauern die Sichel aus dem See rettet oder wie er seinen Schüler Maurus dazu bringt übers Wasser zu laufen um einen Mitbruder vor dem Ertrinken zu retten. Aber man sieht auch seine drakonischen Strafen, wenn ein Mönch sich von einem Teufelchen zur Versuchung verleiten lies.

Neben der Unterkirche die Felsspalte in der Benedikt gesessen haben soll und in der heute eine Statue des Berninischülers Antonio Raggi den Heiligen samt Korb darstellt. Über eine Treppe erreicht man die Kapelle des Heiligen Gregors, mit einem Fresko des Franz von Assisi, das zu dessen Lebzeiten entstanden sein soll. Indizien dafür sind der fehlende Heiligenschein und die fehlenden Wundmale.

Die Heilige Stiege die weiter hinunter führt, behandelt das Thema des Todes. Man sieht den Tod persönlich auf seinem Pferd, der weder jung noch alt, noch arm oder reich verschont. Gleich daneben Dramatik. Der Kindermord in Bethlehem. Grimmige Soldaten erstechen die Säuglinge in den Armen ihrer um Gnade flehenden Mütter. Unten angekommen erreicht man die Grotte der Hirten, in der Benedikt zum Landvolk gepredigt haben soll. Darin die Reste der ältesten Fresken (8. Jhd.) mit einer Madonna. Von hier tritt man ins Freie in den kleinen Rosengarten des Franziskus, von dem man einen schönen Blick ins steile, bewaldete Tal des Aniene hat.

Die Stauseen verschwanden im Mittelalter. Im 14. Jahrhundert war nun noch von einem See die Rede, als zwei Mönche auf eine intelligente Idee kamen. Um Wasser abzulassen und so leichter die Fische zu fangen, lösten sie Steine aus der antiken Staumauer, die prompt ihrer Statik beraubt zusammenfiel. Die Flutwelle hat wohl das erste Kloster von Benedikt und die Nerovilla zerstört und sicher auch sonst noch viel Schaden angerichtet über den sich die Chronisten allerdings ausschweigen.

Doch die Klöster in Subiaco bestanden fort und dehnten ihre Macht immer weiter aus. Die Äbte waren auch nicht mehr so erfolgreich in der Abwehr der Versuchung. Statt sich in einen Dornenbusch zu werfen, zogen sie in die Burg oberhalb von Subiaco. Es gibt Berichte, dass sich mancher Abt einen ganzen Harem von „Jungfrauen“ dort hielt. Dabei wurden die Bauern ausgepresst wie in keiner anderen Herrschaft in Italien. So kam es schließlich 1454 zu einem Volksaufstand. Darauf beschnitt der Papst die Privilegien des Klosters und verfügte, dass die Leitung künftig vom Vatikan direkt eingesetzt werde. Der erste Kommendatarabt war ausgerechnet Rodrigo Borgia, womit man wohl den Bock zum Gärtner gemacht hat. Seine Tochter Lukrezia wurde wahrscheinlich auf der Burg geboren.

Heute merkt man kaum etwas von der bewegten Geschichte in diesem stillen Tal. Aber ein Ausflug lohnt sich ganz bestimmt. Schon allein die Pracht der Fresken von San Benedetto sucht seinesgleichen. Wer sich danach mit guter Hausmannskost stärken möchte sollte auf der anderen Talseite Richtung Affile hinauffahren und die Abzweigung zum Agriturismo Colle Tocci nicht verpassen. Auf der Terrasse, mit Blick auf Subiaco, kann man die Spezialitäten der Region genießen.

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