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Quasi Sutrium ire

In Sutri, 50 km nördlich von Rom erlebt man 3000 Jahre Geschichte. Hier lebten die Etrusker und Römer, wurden die geheimnisvollen Riten des Mithras und der Tempelritter zelebriert und hier trafen Kaiser auf Päpste. Der kleine Ort an der Via Cassia ist auch heute noch ein Höhepunkt auf dem Weg nach Rom.

Sutri_008„Quasi Sutrium ire“ sagten die antiken Römer wenn jemand etwas schnell und gründlich erledigte, „Wie nach Sutri zu gehen“. Diese Redewendung erinnerte an die Einnahme der Stadt Sutri durch den römischen Feldherren Marcus Furius Camillus im Jahr 386 v. Chr. Die etruskische Stadt war zehn Jahre zuvor nach dem Fall von Veji unter römische Kontrolle gekommen. Als die Gallier Rom plünderten nahmen die Etrusker aus der reichen Stadt Tarquinia die Gelegenheit war um die strategisch wichtige Stadt zurückzuerobern. Doch Marcus Furius Camillus trieb sofort seine Legionäre in einem Gewaltmarsch nach Norden. Noch in derselben Nacht hatte er Sutri wieder zurückerobert. „Quasi Sutrium ire“. Das Tor, durch das die Römer eindrangen trägt bis heute den Namen Porta Furia nach dem Eroberer.

Wer heute nach Sutri geht sollte sich jedoch Zeit lassen, denn in dem kleinen Ort gibt es viel aus fast 3000 Jahren Geschichte zu entdecken. Hier durchbricht die Via Cassia steile Tuffhügel, Reste von Lavaströmen des Vulkans, der heute die Monti Cimini bildet mit dem Kratersee Lago di Vico. Fast alle die von und nach Rom wollten mussten hier durch. Und viele der illustren Reisenden hinterließen ihre Spuren.

An die Etrusker erinnern die zahlreichen Felsengräber, die in einen Tuffhügel gegenüber der Stadt gehauen wurden. Die Gräber sind wie Totenhäuser gestaltet und in Sichtweite der auf der gegenüberliegenden Erhebung angelegten Stadt. Sie weißen teilweise noch Verzierungen an den Fassaden auf. Man kann den Hügel auf einem etwa 1 km langen Spaziergang umlaufen. Drei der Felsengräber wurden im 2. Jhd. n.Chr. zu einer Kultstätte für den aus Persien stammenden Gott Mithras zusammengefügt. Dort kamen die Anhänger dieses rätselhaften Kultes zusammen um ein dem christlichen ähnliches Abendmahl zu zelebrieren. Dabei wurden auch Tieropfer gebracht. Eine noch heute im Boden sichtbare Rinne diente zum Auffangen des Blutes. Nachdem sich das Christentum als Staatsreligion durchgesetzt hat, wurde aus der Kultstätte die Kirche Madonna del Parto. Die Grotte im Schoß der Erde wurde der „Madonna der Glücklichen Geburt“ geweiht und mit einem Reigen von Fresken ausgestattet. Drei Kulturen haben so einen der eindrucksvollsten religiösen Räume der Region gestaltet.

Sutri_009Unweit dieser mystischen Kirche hatte der Orden der Tempelritter eine kleine Kirche, Santa Maria del Tempio, errichtet. Das Gotteshaus, das seit langem entweiht ist, beherbergt heute die Verwaltung des archäologischen Parks. Das Wappen am Eingang erinnert daran, dass der Malteserorden nach dem Sturz der Templer das Gebäude übernahm. Aus deren Zeit stammen auch die Reste eines Altars. Über die Anwesenheit der Templer in Sutri wissen wir kaum etwas. Beim Prozess gegen sie 1309, nahm jedoch auch der Bischof von Sutri Pietro Tabaldo teil.

Der monumentalste Bau ist jedoch das Amphitheater, das komplett aus dem Tuffhügel gehauen wurde und von außen kaum sichtbar ist. Lediglich das triumphbogenartige Portal ist von der Straße sichtbar. Wenn man dort hindurch schreitet, steht man die weite Arena und die verwitterten Zuschauerstufen. Unter diesen wurden Gänge als Zugang zu den Rängen in den Tuff gehauen. Das Theater mit seiner ungewöhnlichen „Negativform“ scheint heute wie ein Teil der Landschaft. Auch wenn es ganz in der Tradition der Etrusker errichtet wurde, wird es heute mehrheitlich in die Zeit von Augustus datiert und dokumentiert so das Fortbestehen der etruskischen Kultur bis ins 1. Jhd. n.Chr. In römischer Zeit war Sutri ein Landstädtchen. Erst in der Völkerwanderungszeit wurde seine Lage an der Engstelle der Via Cassia wieder strategisch wichtig.
 
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„Quasi Sutrium ire“ war das Motto vieler prominenter Besucher der Stadt, den die meisten Rombesucher aus dem Norden passierten Sutri auf der Reise nach Rom. Auf dem Tuffhügel oberhalb des Amphitheaters sieht man die Reste einer Burg in der Karl der Große übernachtet haben soll, als er auf dem Weg zu seiner Kaiserkrönung in Rom war. Auch wenn die Mauern von Bauhistorikern heute in eine spätere Zeit datiert werden, ist fast sicher, dass Karl durch Sutri kam. Einer Legende nach soll der Franke an Gicht gelitten haben und sei durch den Genuss der besonderen Bohnen genesen. Noch heute werden die Bohnen aus Sutri im September gefeiert. Ein Rezept habe ich hier eingestellt.

Sutri_004Wesentlich besser ist der Besuch von Heinrich III. dokumentiert. Auch sein Ziel war es sich vom Papst in Rom die Kaiserkrone aufsetzen zu lassen. Doch von welchem? In Rom stritten sich zu dieser Zeit drei Päpste darum, wer der rechtmäßige sei. Heinrich rief die Kardinäle am 24. Dezember 1046 in Sutri zusammen und setzte alle drei Päpste ab um seinen Vertrauten Suidger von Bamberg zum Papst Clemens II. bestimmen zu lassen. Dieser krönte Heinrich dann wunschgemäß zu Weihnachten in Rom zum Kaiser. Am 8. Juni 1155 traf Friedrich Barbarossa in Sutri auf Papst Hadrian IV. Dabei kam es zum Eklat, da der Staufer dem Papst nicht die nötige Ehrerbietung entgegenbrachte. Die Lösung war pragmatisch, man spulte den Film zurück. Am nächsten Tag wurde das „erste“ Zusammentreffe zur Zufriedenheit des Papstes wiederholt, der dann auch Barbarossa die Kaiserkrone aufsetzte.

Der hübsche Ortskern von Sutri bewahrt noch viele Spuren des Mittelalters. Herausragend ist hier der Dom Santa Maria Assunta, die Bischofskirche von Sutri bis das Bistum 1986 im Bistum Civita Castellana aufging. Im 16. Jahrhundert wurde Bischof Antonio Ghislieri aus Sutri zum Papst Pius V. gewählt. Er gilt als einer der unerbittlichsten Verfolger von Ketzerei und Gotteslästerung. Trotzdem war er der vorletzte Papst der heiliggesprochen wurde. Im Dom in Sutri befinden sich Reliquien von ihm. Wenn man in die romanische Krypta, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, hinabsteigt befindet man sich wieder im geheimnisvollen Mittelalter.

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1 Kommentar zu „Sutri“

  • Selber nach Rom ausgewandert war mir Sutri absolut unbekannt. Dank dem tollen Tipp von Herrn Ziehr habe ich dort einen wunderschönen Tag verbringen können. Absolut sehenswert!

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