Die Hafenstadt Terracina liegt ungefähr 100 km südlich von Rom, man muss nur der Via Appia folgen. Da sich die Königin der Straßen hier durch eine Engstelle zwischen Bergen und Meer zwängen muss, war Terracina schon immer von strategischer Bedeutung. 329 v.Chr. wurde es bereits römische Kolonie und auch Pilgerstätte, wie die Reste des riesigen Jupitertempels hoch über der Stadt auf dem Felsen verraten. Dort konnte man ein Orakel über seine Zukunft befragen und heute immerhin noch eine unvergleichliche Aussicht, bei gutem Wetter bis zu den Pontinischen Inseln genießen.

Auch in der kleinen Altstadt begegnet man noch römischen Resten auf Schritt und Tritt. In den Tempel am Forum, der vermutlich dem Kaiserkult diente wurde spätestens im 6. Jahrhundert eine Kirche eingebaut. Sie war dem Heiligen Caesarius geweiht. Der Stadtpatron hatte der Legende nach gegen heidnische Kulte gewettert und wurde darauf in einem Sack eingenäht im Meer ertränkt.

1074 wurde die heutige Kathedrale geweiht. Nur 14 Jahre später trafen sich in der Kirche ein kleines Häufchen von acht Kardinälen um einen neuen Papst zu wählen. Sie mussten hierher ausweichen, denn in Rom herrschte ein anderer Papst. Klemens III., ein Vertrauter von Kaiser Heinrich IV., der von der katholischen Kirche heute als Gegenpapst gezählt wurde. Die Wahl fiel auf den Franzosen Eudes de Châtillon, der als Urban II. zum Ersten Kreuzzug aufrief, bei dem Jerusalem erobert wurde.

Sie steht heute noch auf dem Podium des Tempels zu dem antike Stufen hinaufführen. Die Steinplatten auf dem Platz davor sind noch die gleichen, über die vor 2000 Jahren die Römer liefen. Die Kirche wurde im Barock zwar umgestaltet, doch der wunderschöne Mosaikfußboden im Stil der Cosmaten ist zum großen Teil noch erhalten. Fantasievolle Muster und Ranken sind mit kleinen bunten Marmorstücken eingelegt. Vor dem Altar sieht man ein Paar Pfauen, die ewige Leben symbolisieren. Auch die Kanzel und der Osterleuchter sind mit Mosaiken verziert. Eine Inschrift an der Basis datiert den Osterleuchter auf das Jahr 1245. besonders die Kapitelle an der Kanzel sind mit Männchen interessant gestaltet.

Am interessantesten finde ich jedoch den Fries an der Außenseite der Vorhalle. Er ist nur noch an der rechten Seite erhalten. Auf dem Stich von 1839 von Luigi Rossini scheint die linke Seite noch intakt zu sein. Außerdem erscheint dort noch ein eigenartiges Gewölbe mit Spitzbögen, dass spätestens bei der Restaurierung 1926 durch das heutige einfache Dach ersetzt wurde. Der Mosaikfries, der sich stilistisch am ehesten ins frühe 13. Jahrhundert einordnen lässt zeigt vor allem eine Abfolge realer und fantastischer Tiere. Ein Adler erinnert an den Stauferadler. Zwei Ritter kämpfen gegeneinander. Dazwischen ein Tempelordenkreuz. Darüber die Inschrift GUTIFRED : EGIDII MILES. Mit Gutifred kann eigentlich nur Gottfried von Bouillon gemeint sein. Einer der prominenten Anführer des Ersten Kreuzzugs. Egidii Miles, also Kämpfer des Heiligen Ägidius wäre dann Raimund von Saint-Gilles einer der Konkurrenten von Gottfried im Heiligen Land. Saint Gilles ist der französische Name des Ägidius. Weiter links sehen wir ein Boot über dem PETRUS PBRI MILES steht. Der Soldat und Presbyter Petrrus, damit könnte Peter von Amiens gemeint sein, der als Prediger eine Rolle beim Kreuzzug spielte. Doch was bedeuten die Stiere die eine Kirche flankieren. Was der Vogel in einem Käfig. Der Fries gibt noch viele Rätsel auf. Er entstand wahrscheinlich in der Zeit von Papst Honorius III., der Stauferkaiser Friedrich II. zu einem neuen Kreuzzug drängt. Vielleicht sollte der Fries deshalb an den Ersten Kreuzzug erinnern. Wenn wir in den Nachrichten von Kämpfen im Gazastreifen hören, wissen wir, dass seither der Nahostkonflikt nicht zur Ruhe kam. Der Fries ist rätselhaft aber auch aktuell.

 

 

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