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46 km nordöstlich von Rom liegt der hübsche kleine Ort Vicivaro im Tal des Aniene, des größten Nebenflusses des Tibers. Der Ort hat eine Geschichte die bis in vorrömische Zeit zurückreicht. Er war vom Volk der Aequer besiedelt, wurde aber wohl schon im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Römern erobert. In der Antike wurde der Ort Varia oder Vicus Varus genannt, wovon sich der moderne Name Vicovaro ableitet. Die Bezeichnung „Vicus“ ist ein Hinweis darauf, dass es sich immer nur um ein Dorf, nie eine richtige Stadt handelte, umso bemerkenswerter die Kontinuität. Am langgestreckten Platz stehen sich heute die zwei wichtigsten kirchlichen Bauten gegenüber. An der oberen Seite die große zweitürmige Pfarrkirche San Pietro, die in ihrer aktuellen, barocken Form 1755 eingeweiht wurde.

vicovaro 001An der unteren Seite der kleinere aber viel interessantere Bau, die Kapelle San Giacomo Maggiore. Ein Gebäude, das aus dem Rahmen fällt. Allein wegen der achteckigen Form, die ihre Vorbilder in Baptisterien hat. Doch eine Taufkapelle war San Giacomo nie. Der Bau wurde schon 1379 von den Gebrüdern Giovanni und Rinaldo Orsini in Auftrag gegeben um als Grabkapelle für ihren Bruder Kardinal Giacomo Orsini zu dienen. Eine tragische Gestalt, die am kurzen aber tumultartigen Konklave 1378 teilnahm bei dem Papst Urban VI. gewählt wurde. Eine sehr umstrittene Wahl eines umstrittenen Kandidaten. Fünf Kardinäle, die gegen ihn gestimmt hatten, lies dieser grausam foltern und dann erwürgen. Dem Henker soll er befohlen haben: „Martere so, daß ich Geschrei höre.“ Kardinal Orsini, der sich eigentlich selbst Hoffnung auf die Wahl zum Papst gemacht hatte, gelang die Flucht. Doch in Vicovaro war er nicht sicher. Er verkroch sich in der Burg Capistrello, wo er kurz darauf starb.

Die Kapelle sollte sein Mausoleumwerden, doch der Bau gedieh wohl nicht weit und wurde erst hundert Jahre später, wiederum von einem Giacomo Orsini, dem Großneffen des Kardinals, fertiggestellt und wie nicht anders zu erwarten dem Apostel Giacomo Maggiore (Jakobus dem Älteren) geweiht.

Wahrscheinlich kamen die Baumeister und Künstler von der anderen Seite der Adria. Domenico da Capodistria (aus Istrien) war seit 1454 in Vicovaro tätig. Nach dessen Tod übernahm Giovanni Dalmata aus dem heute kroatischen Trogir die Bauleitung und stellte die Kapelle 1465 fertig. Vor allem das Portal ist ein Meisterstück, das den Übergang von der Gotik zur Renaissance dokumentiert. In Nischen stehen zwanzig Figuren, die teilweise noch die S-Form der Körperhaltung, den gotischen Schwung zeigen, teilweise sich schon ganz im Sinn der Renaissance an antiken Skulpturen orientieren. Sie stellen sowohl Heilige, als auch Mitglieder der Familie Orsini dar. Darüber in der Lünette eine Madonna flankiert von Petrus und Jakobus mit je einem Orsini. Alles ist bekrönt vom Wappen der Orsini.

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