Porta San Sebastiano 001Geführte Wanderung auf der Via Appia

Die Via Appia Antica gilt als das längste Museum der Welt. Auf 18 km, ab der Porta Capena beim Circus Maximus bis nach Frattocchie, ist die älteste römische Konsularstraße, teilweise noch mit ihrem antiken Pflaster, erhalten. Dann vereinigt sie sich mit der Via Appia Nuova um als normale Staatsstraße weitere 560 km bis zum süditalienischen Hafen Brindisi zu führen.

Ab dem Jahr 312 v. Chr. ließ der Konsul Appius Claudius Caecus die Straße Richtung Capua vor Neapel anlegen, die seinen Namen unsterblich machen sollte. Es ging ihm vor allem darum schneller Truppen im Krieg gegen das Volk der Samniten verlegen zu können. Erst als die Straße 120 Jahre später nach Brindisi verlängert wurde, entwickelte sie sich zur wichtigsten Handelsstraße des Römischen Reichs. Noch heute markieren dort zwei Säulen das Ende des Wegs.

Die Via Appia ist noch heute von Gräbern in unterschiedlichster Form gesäumt. Da in der Antike die Bestattung von Toten innerhalb der Städte verboten war, wich man an die Ausfallstraßen aus. Nicht zuletzt mit dem Ziel Reisende durch monumentale Familienmausoleen zu beeindrucken. Die ärmeren Römer wurden in zweiter und dritter Reihe begraben oder schließlich (nicht nur Christen) in unterirdischen Katakomben. Doch gibt es entlang der Straße auch andere Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Goethe vor dem Grabmal der Cecilia Metella, gemalt von Johann Tischbein, 1787

Um eine Wanderung auf der Via Appia zu einem unvergeßlichen Erlebnis zu machen möchte ich Ihnen einige Tipps geben. Oder lassen Sie sich die Via Appia und ihre Monumente einfach bei einer Führung zeigen.

Zuerst einen Blick auf den Stadtplan. Es gibt drei mal in Rom eine Via Appia. Die Via Appia Nuova, die an der Porta San Giovanni beginnt ist eine moderne Ausfallstraße und für Touristen uninteressant. Auch an der Via Appia Pignatelli werden Sie keine Sehenswürdigkeiten finden.

Grab an der Via AppiaSuchen wir also die Via Appia Antica. Sie beginnt an der Porta Capena, dem uralten Tor, von dem nur der Name für die Straßenkreuzung am Circus Maximus blieb. Der erste Abschnitt heißt heute „Via delle Terme di Caracalla“ und weist somit auch auf die Hauptsehenswürdigkeit hin, an der man vorbeikommt, die riesigen Ruinen der Caracalla-Thermen, die Sie aber am besten für eine eigene Besichtigung vormerken sollten. Die Eintrittskarte gilt allerdings innerhalb einer Woche auch für andere Monumente an der Via Appia, wie das Grabmal der Cecilia Metella und die Villa der Quintilier.

Links vor den Thermen steht die Kirche Santi Nereo e Achilleo. Sie wurde im 4. Jahrhundert an der Stelle erbaut, an der Petrus bei seiner Flucht aus Rom seinen Fußverband verloren haben soll. Leider hat die Kirche nur selten geöffnet (fragen Sie mich). Im Inneren des mit Baumaterial aus den Thermen errichteten uralten Baus sieht man Fresken, auf denen in grausig detaillierten Darstellungen gezeigt wird, wie die Apostel zu Tode gekommen sind.

Eine Wanderung zwischen den Caracalla-Thermen und der Basilika San Sebastiano empfehle ich vor allem für den Sonntag, denn dann ist der Abschnitt für den Durchgangsverkehr gesperrt. Sonst kann eine Wanderung unangenehm sein, da man zwischen dem starken Autoverkehr und hohen Grundstückmauern eingeklemmt ist. Wochentags würde ich vorschlagen den Bus 118 ab Piramide oder Circo Massimo zu nehmen, der die Via Appia Antica entlang fährt, und zur Besichtigung einzelner Sehenswürdigkeiten auszusteigen. Die Via Appia als Landschaftserlebnis beginnt erst hinter San Sebastiano.

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Porta Latina und San Giovanni in OleoNun bekommt die Via Appia den Namen Via di Porta San Sebastiano. Ein kleiner Rundbau aus Ziegelsteinen wurde im Mittelalter anstelle eines Tempels für die Straßengötter gebaut. Hier zweigt die Via Latina ab. Man kann dieser bis zum gleichnamigen antiken Tor folgen. Vor der Porta Latina steht die runde, barocke Kapelle San Giovanni in Oleo, die ihr Aussehen dem großen Barockarchitekten Borromini verdankt. Sie erinnert daran, daß an dieser Stelle der Evangelist Johannes von den Römern in einen Kessel siedenden Öls gesteckt worden sein soll. Doch durch ein Wunder wurde das Frittierfett zu einem erfrischenden Bad. Die verzweifelten Henker verbannten den Heiligen darauf auf die Insel Patmos. Durch einen kleinen Park kann man zur Via Appia zurückkehren. Dort trifft man auf das Columbarium des Pomponius Hylas, ein aufwändig dekoriertes Familiengrab aus dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt und die Gräber der Scipionen.

Die Via Appia durchquert nun den Drususbogen, der ein Bogen des Antonionischen Aquädukt war, der die DSCF0026Caracallathermen mit Wasser versorgte. Direkt dahinter folgt die Porta Appia, heute Porta San Sebastiano. Das mächtige Stadttor sieht noch fast genauso aus wie in der Zeit seiner Errichtung um das Jahr 270. Lediglich die Durchfahrt wurde im 6. Jahrhundert von Belisar, der Rom gegen die Goten verteidigte, von zwei auf einen Bogen verkleinert. Im Tor gibt es ein interessantes kleines Museum, dessen Höhepunkt der Blick von der Plattform des Tors auf die römische Landschaft ist. Fragen Sie das Personal ob Sie auch den Wehrgang der Aurelianischen Mauer besichtigen dürfen. Als 259 zum ersten mal germanische Stämme nach Norditalien einfielen, ließ Kaiser Aurelian Rom mit einer 19 km langen Stadtmauer schützen. Doch es sollte noch fast 200 Jahre dauern, bis tatsächlich Barbaren vor der Mauer auftauchten. Die Mauer ist noch fast vollständig erhalten und hier besonders eindrucksvoll.

Geradeaus geht die Via Appia Antica weiter. Hier gab es in der Antike einen großen Parkplatz für Fuhrwerke. Denn schon Julius Cäsar versuchte den chaotischen Verkehr in den Griff zu bekommen in dem er tagsüber Fahrverbote DSCF0066erließ. Ein Thema das auch heute noch aktuell ist. Kurz darauf sieht man rechts eine Säule. Den ersten Meilenstein, der anzeigt, dass man die erste römische Meile (= 1478 m) hinter sich gebracht hat. Etwa 500 m weiter sieht man links ein turmartiges Gebäude. Dies soll das Grabmal des Geta gewesen sein, des jüngeren Bruders von Caracalla, den dieser 211 umbrachte, um sich die Alleinherrschaft zu sichern. Ob tatsächlich Geta hier begraben wurde, ist genauso unsicher, wie die Zuschreibung des Grabmals der Priscilla, der Frau von Kaiser Domitian. Ein Rundbau, der auf der rechten Seite in zweiter Reihe auftaucht. Man kann ihn besser vom Parkplatz sehen, der rechts abzweigt.

Gegenüber steht die kleine barocke Kirche Santa Maria in Palmis, die besser unter dem Namen „Domine Quo Vadis?“ bekannt ist. An dieser Stelle begegnete der Legende nach Petrus auf der Flucht aus Rom Jesus. Auf die Frage „Domine Quo Vadis?“ (Herr wohin gehst du?) antwortete Jesus „Ego Romam iterum crucifigi“ (Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen). Reumütig kehrte Petrus um, um sich selbst kreuzigen zu lassen. Diese Szene ist den Via Appia 001meisten aus dem Roman „Quo vadis?“ von Henryk Sienkiewicz, bzw. noch eher aus der gleichnamigen Verfilmung mit Peter Ustinov als Nero bekannt. Sienkiewicz bekam in der Kirche dafür auch ein Denkmal. Auf dem Boden findet man einen eigenartigen Marmorblock mit Fußabdrücken, angeblich von Jesus. Sie sollen bei der Begegnung mit Petrus entstanden sein. Der Stein ist eine Kopie des Originals, dass Sie, dort jedoch aus der Ferne, in der Basilika San Sebastiano sehen können. Doch dieses Denkmal ist vermutlich viel älter. Den hier stand einst der Tempel des Dio Redicolo, des Gottes der Glücklichen Rückkehr. Gut denkbar, dass ein Römer, der eine weite gefährliche Reise hinter sich gebracht hat, hier dafür dankte, dass er seine Heimatstadt wiedersehen durfte und deshalb den Stein stiftete. Doch der Platz hatte noch eine ältere wichtige Bedeutung. Im Jahr 211 v. Chr. kam Hannibal hier Rom am nächsten. Um seine Feinde zu demütigen, postierte er an der Stelle einen einzigen Soldaten in Sichtweite nach Rom. Warum Hannibal Rom nicht angriff, darüber streiten sich bis heute die Historiker. Doch es war für die Römer ein wichtiges Ereignis. Die nächsten 600 Jahre kam kein Feind Roms mehr auch nur annähernd so nahe an die Stadt.

Domine Quo Vadis?Domine Quo Vadis 003

Nun beginnt das Gebiet der Katakomben,von denen es in ganz Rom über 60 gibt. An der Via Appia sind allerdings nur drei christliche öffentlich mit einer Führung zu besichtigen. Etwas besonderes ist die jüdische Katakombe an der Via Appia, den sie wurde vor den christlichen gegründet. Sie ist normalerweise nicht zu besichtigen, aber ich kann auf Anfrage eine Führung durch die dunklen Gänge organisieren.
Nach einem weiteren Kilometer erreicht man die Basilika San Sebastiano. Eine der sieben Pilgerkirchen, die von Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert gegründet wurde.

Um ehrlich zu sein, der Abschnitt zwischen Stadtmauer und San Sebastiano ist der unattraktivste der Via Appia. Man läuft auf einem schmalen Gehweg entlang hoher Mauern an der stark befahrenen Straße. Wer nicht speziell an einem der beschriebenen Gebäude interessiert ist, sollte mit dem Bus (Linie 118 ab Metrostation Piramide oder Circo Massimo bis San Sebastiano oder Linie 218 ab San Giovanni in Laterano bis Fosse Ardeatine und von dort ein kurzes Stück auf der via delle Sette Chiese zu Fuß) fahren. Die meisten Touristen, die bis hier hinaus laufen, drehen hier müde und mit wunden Füßen um. Doch erst danach entfaltet die Via Appia allmählich ihre besondere Atmosphäre. Ab hier dürfen nur noch Anlieger die Straße befahren, was wegen des antiken Pflasters nur in Schrittgeschwindigkeit geht. Achtung, nicht stöckelschuhtauglich!

Gegenüber gibt es einige antike Großbauten. Zuerst das Grabmal des Romolus. Kaiser Maxentius hatte seinen Sohn als seinen Nachfolger ausersehen und war bestürzt, als er schon mit 7 Jahren starb. Er ließ an der Via Appia einen zweistöckigen Rundtempel mit einem umgebenden rechtwinkligen Säulenumgang als Mausoleum errichten. Vor die Reste des Rundbaus wurde im Mittelalter ein Bauernhof gebaut. Wahrscheinlich hätte auch Maxentius hier beigesetzt werden sollen. Doch er ertrank während der Schlacht an der Milvischen Brücke gegen Kaiser Konstantin 312 im Tiber. Direkt neben dem Grabmal ist die Ruine des Circus des Maxentius gut sichtbar. Doch Wagenrennen fanden hier nie statt. Er war beim Tod des Kaisers noch nicht fertig und blieb eine Bauruine.

Circus des Maxentius Grabmal der Cecilia Metella

Wenige Meter weiter steht das mächtige Grabmal der Cecillia Metella, vor dem sich schon Goethe malen ließ. Cecillia Metella war die Tochter von Quintus Caecilius Metellus Creticus, der Kreta für das Römische Reich eroberte und erfolgreich die Seeräuber bekämpfte. Und sie war die Schwiegertochter des Crassus, der mühsam den Aufstand des Spartakus niederkämpfte und schließlich im Krieg gegen die Parther umkam. Das riesige zylindrische Grabmal hat als einzigen Schmuck einen Fries mit Rinderschädeln. Dieser gab der ganzen Gegend den Namen Capo di Bove (Rinderkopf).

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Im Mittelalter baute die Adelsfamilie der Caetani das Mausoleum zu einer Festung aus. Die Ruinen, einschließlich der dazugehörigen gotischen Kirche, sind noch gut zu sehen. So konnten die Caetani die Via Appia kontrollieren und den Reisenden Wegezoll abpressen. Doch wer hat schon Lust auf Wegelagerer. So umgingen viele Kaufleute die ungeliebte Burg und schlugen sich durchs Gestrüpp. Aus den Trampelpfaden entwickelte sich eine neue Via Appia, die Via Appia Nuova, heute eine mehrspurige Ausfallstraße.

Via Appia AnticaNicht weit vom Grabmal der Cecillia Metella befindet sich die Villa di Capo di Bove, ein Landhaus das über römischen Ruinen erbaut wurde. Im Gelände der Villa wurde 2002 bis 2005 eine prächtige Thermenanlage aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben. Sehenswert sind vor allem die schönen Mosaikfussböden. Die Ausgrabung ist tagsüber frei zugänglich.

Die Via Appia Antica wird jetzt mit jedem Meter ruhiger und ländlicher. Es sind immer mehr auch kleinere Grabmäler an der Seite zu sehen. Da allerdings nun auch das Originalpflaster erscheint, wird der Weg auch mühsamer. Aber ich kann nur empfehlen, mit einem Vesper im Rucksack, hier bei schönem Wetter eine Wanderung zu starten und die Campagna Romana zu genießen, während man an den stummen Porträts der vor 2000 Jahren hier bestatteten Römer vorbeizieht, z.B. am Grab der Rabirii. Man passiert große Mausoleen, von denen nur noch überwucherte Steinhaufen blieben, kleinere erstaunlich gut erhaltene oder restaurierte Grabsteine und ganze Columbarien, Totenhäuser mit Grabnischen für den ganzen Hausstand wohlhabender Familien.120513 100

Nach dem fünften Meilenstein (etwa 8 km ab der Porta Capena) erreicht man die Ruine der Villa der Quintilier. Ein überaus luxuriöses Anwesen, das sich die Brüder Valerius und Condianus Quintilus um das Jahr 150 n.Chr. errichten ließen. So luxuriös, dass selbst Kaiser Commodus, bekannt aus dem Film „Gladiator“, Gefallen daran fand. Unter dem Vorwand sie hätten eine Verschwörung geplant, ließ er das Brüderpaar hinrichten und zog selbst in die Villa ein. Die Ruinen direkt an der Via Appia waren nur eine große Brunnenanlage, der eigentliche Palast liegt im Inneren des Grundstücks. Wenn man die Ruine besichtigen will, findet man den Eingang allerdings auf der Rückseite an der Via Appia Nuova.

Am 6. Meilenstein folgt schließlich das Casal Rotondo, das Grabmal des Messalla Corvinus, das mit einem Durchmesser von 35 m das größte an der Via Appia war. Von ihm ist aber deutlich weniger als von dem der Cecilia Metella übrig. Doch mit dem kleinen Häuschen, das in späteren Zeiten darauf gestellt wurde, bekommt es einen ganz eigenartigen Charakter. Man kann nun bis zum 11. Meilenstein weiter wandern. Die Grabmale werden etwas seltener, die Landschaft dafür ländlicher. In der Ortschaft Frattocchie, kurz vor Castel Gandolfo, vereinigen sich Via Appia Antica und Via Appia Nuova wieder zur Via Appia, die als Staatsstraße 7 weitere 560 km bis nach Brindisi in Apulien führt.

Die Wanderer finden an den die Via Appia Antica querenden Straßen Bushaltestellen von denen man zu einer der Metrostationen der Linie A fahren kann. In der nördlich parallel verlaufenden Via Appia Pignatelli verkehrt der Bus 118, der zurück zur Piazza Ostiense fährt.

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