Geführte Wanderung auf der Via Appia mit Besichtigung der Katakombe

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Katakombe in der Vigna RandaniniVon den 66 bekannten Katakomben in Rom gehörten 6 der jüdischen Gemeinde. Zwei dieser jüdischen Katakomben stehen heute auf Anfrage zur Besichtigung. Auch nur fünf der christlichen Katakomben sind öffentlich zu besichtigen.

Die jüdische Gemeinde in Rom zählt zu den ältesten in Europa und ist ein wichtiger Teil der römischen Tradition. Manche meinen, ihre Küche sei die wahre römische Küche. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. gab es Juden in der antike Metropole. Doch mit der Zerstörung von Jerusalem durch Titus 70 n. Chr., und dem Beginn der Diaspora wuchs die Gemeinde stark an und es entstanden mindestens 11 Synagogen in der ganzen Stadt, vor allem in Trastevere. Da die Juden ihre Toten nicht, wie die Römer, verbrannten, sondern ihre Religion Erdbestattungen vorschreibt, bekamen sie ein Platzproblem.  So kam es, dass die Juden von Rom als erste auf die Idee kamen, ihre Toten in unterirdischen, in den weichen Tuff gegrabenen Gängen zu begraben. Die Christen haben die Idee der Katakomben erst Jahrzehnte später übernommen. Wobei die Datierung der ersten Bestattungen in Katakomben sehr unsicher ist und man bedenken muss, dass in den ersten Jahrhunderten der Übergang zwischen Juden und Christen fließend war. Wissenschaftler der Universität Utrecht haben die älteste Bestattung in der jüdischen Katakombe der Villa Torlonia in das 1. Jahrhundert datiert, hundert Jahre bevor die ersten christlichen Katakomben entstanden. Die jüdischen Katakomben ähneln den christlichen und teilten auch deren Schicksal. Im frühen Mittelalter wurden die Knochen aus den Gräbern geholt und oft als vermeintliche Reliquien von christlichen Märtyrern in alle Himmelsrichtungen verkauft. Der Handel mit Katakombenheiligen war über Jahrhunderte die wichtigste Einnahmequelle Roms. So werden wohl noch heute in mancher Kirche Europas die Knochen eines jüdischen römischen Bürgers verehrt. Danach wurden die Eingänge der Katakomben verschüttet und vergessen.

An der Via Appia wurde 1859 in einem Weingarten, der Vigna Randanini, der Eingang zu einer jüdischen Katakombe wieder entdeckt. Sie erstreckt sich über 750 Meter, von denen 2/3 zugänglich sind. Diese Katakombe wird etwa gleichzeitig mit der der Villa Torlonia entstanden sein. Am Eingang sieht man die Reste eines oberirdischen Gebäudes, das wohl für die Begräbnisfeierlichkeiten benutzt wurde. Von dort erreicht man die Gänge, die in die Tiefe führen. Die meisten Gräber wurden an den Seitenwänden der Gänge in den Tuff getrieben. Auffällig ist. dass unter den zahlreichen Inschriften keine einzige hebräische ist. Die meisten Inschriften sind griechisch. Die meisten römischen Juden stammten aus dem östlichen Mittelmeerraum, wo sich das Griechische als Verkehrssprache durchgesetzt hat. Die Menorah, der siebenarmige Leuchter ist allgegenwärtig. Von den Gängen erreicht man auch einige Nebenräume, Cubicoli, die wohl als Familiengrabstätten genutzt wurden. Diese sind besonders reich und fantasievoll mit Palmen, Blumen, Pfauen und anderen Vögeln bemalt. In der Regel wurden in jüdischen Grabanlagen keine Menschen dargestellt. Zwei Cubicoli machen hier eine Ausnahme und zeigen sogar Figuren, die an heidnische Götter erinnern. In einem Gewölbe sieht man eine geflügelte Frauenfigur. Eine Viktoria oder Nike? Und in einem zweiten Raum eine weibliche Figur mit einem Füllhorn wie die Göttin Fortuna.

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Stadt unter der Stadt

Katakombe in der Vigna Randanini Katakombe in der Vigna Randanini

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