Ein Haus für Kaiser Commodus
Führung durch die Villa

Dass die alten Römer wußten wie man gut lebt, ist ja eine Binsenweisheit. Doch wenn man die Villa der Quintilier an der Via Appia besucht, bzw. was davon übrig blieb, kommt man schon ins Grübeln, welche Ansprüche man heute an seinen Lebensstandard hat. Selbst Berlusconis Villa auf Sardinien wirkt bescheiden dagegen.

Die Gebrüder Sextus Quintilius Condianus und Sextus Quintilius Valerius Maximus haben im Leben alles gemeinsam gemacht und so wurden sie auch gemeinsam Consul, also faktisch Regierungschef. Tatsächlich gab es immer zwei gleichberechtigt Consuln, die seit es einen Kaiser gab praktisch wenig politische Macht aber um so mehr Prestige hatten. Die zwei Quintilier teilten jedoch nicht nur ihren Job, sie beschlossen in dieser Zeit, um das Jahr 150 n. Chr. auch den gemeinsamen Erwerb eines Eigenheims. Die Wahl fiel auf eine Villa an der Via Appia, in Höhe des fünften Maeilensteins. Der Ausbau dieses Anwesens fiel ausgesprochen großzügig aus. Die alte Villa beherbergte künftig nur den Dienstbotentrakt, der neue Palast war gigantisch, vor allem in Bezug auf die Sanitäreinrichtungen. Nein sie hatten nicht mehrere Badezimmer, es waren mehrere Thermenanlagen.

Bloß einen Fehler begingen die zwei Brüder, sie luden eines Tages den Kaiser ein. Das war inzwischen Commodus, Kinogängern aus dem Streifen „Gladiator“ mit Russel Crowe bekannt. Commodus war begeistert von dem Anwesen, er sagte: „Das gefällt mir.“ – „Das will ich!“ Er zerrte die Quintilier kurzerhand wegen angeblichen Hochverrats vor Gericht und sorgte für Verurteilung und Hinrichtung. Und so konnte Commudus in die Villa einziehen. Selbstverständlich nahm er noch ein paar Umbauten vor. Da er fanatischer Fan von Gladiatorenspielen war, ließ er eine Gladiatorenarena anbauen.

Noch heute sind die Ruinen, zwischen Via Appia Antica und Via Appia Nuova auf einem Hügel gelegen, eindrucksvoll. Vor allem die Thermen haben noch gut erhaltene Details. Man kann besser als anderswo sehen, wie das Heizungssystem damals funktioniert hat. Doch mitten in den Thermen hat man auch einen etwas bedrückenden Fund gemacht. Die Reste eines Kalkofens wurden gefunden, der im Mittelalter eingebaut wurde. Hier wurde der ganze Marmor, die zahlreichen Statuen, die Säulen und die Wandverkleidungen, zu Kalk gebrannt und zu Mörtel für die zahlreichen Kirchen Roms angerührt.

Am Schluß kann man noch hinunter zum Nymphäum an der Via Appia wandern. Das war sozusagen die Visitenkarte der Villa. Eine riesige Brunnenanlage die die vorbeiziehenden Reisenden beeindruckte und die Besucher empfing. Und hier wird auch der Unterschied im Lebensstandard zwischen Antike und Mittelalter deutlich. Als die Grafen von Tusculum, zu ihrer Zeit kein unwichtiges Adelsgeschlecht, die Villa erwarben, waren ihnen die Hauptgebäude (längst Ruinen) wohl zu groß und unübersichtlich. Sie bauten die Brunnenanlage zu ihrer Burg aus, von der aus sie die Via Appia kontrollierten. Oder anders ausgedrückt, ihnen reichte der Springbrunnen in der Auffahrt als Residenz.

Die Anlage ist mit dem Bus 118 ab Piazza Venezia oder mit dem Bus 663 ab der Metrostation Colli Albani bis zur Haltestelle Appia / S. Ignazio, bzw. Bus 664 bis zur Haltestelle Appia / Squilace zu erreichen. Es gibt in der Regel leider nur den Eingang an der Via Appia Nuova, aber Sie können an der Kasse fragen, ob man Ihnen nach der Besichtigung den Ausgang zur Via Appia Antica aufschließt. An den Sommerwochenenden ist auch der Eintritt von der Via Appia Antica aus möglich. Behalten Sie die Eintrittskarte, sie gilt die nächsten 7 Tage auch für das Grab der Cecilia Metella und die Caracalla-Thermen.
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Eingang zur Villa der Quintilier

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4 Kommentare zu „Villa der Quintilier“

  • Schöner Beitrag, der dazu einlädt, sich Rom einmal genauer anzuschauen! Ich bin begeistert von dieser Stadt und komme immer wieder gerne hin…

  • Katharina Hoffschretter:

    Hallo, danke für den tollen Bericht. Allerdings habe eine Frage zur Busverbindung. Die Haltestelle habe ich beim Bus 663 nicht gefunden.

  • Claudius:

    Danke für den Hinweis, tatsächlich wird die Haltestelle direkt am Zugang inzwischen vom Bus 664 angefahren. Der 663er hält aber auf der anderen Straßenseite und bleibt daher eine Alternative. Beide Busse fahren ab der Metrostation Colli Albani. Ich habe es im Text nun aktualisiert.

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