Santa Maria di Galeria – die vergessene Ruinenstadt

Galeria, barocker CampanileDie Stadt Galeria war von starken Mauern umgeben, vor denen viele Angreifer aufgaben. Doch ihre letzten und totbringenden Feinde konnten sie nicht abhalten, die Anophelesmücken, die die Malaria in die Stadt brachten. Da das Leben unerträglich wurde verließen die Einwohner ihre Stadt. Vor genau 200 Jahren, 1809, zog die letzte Familie aus Galeria fort und die Stadt wurde der Natur überlassen. In den Häusern, einst voll von Menschen und Haustieren wachsen heute Bäume, in den Straßen, einst belebt durch Handel und Handwerk, rankt heute Efeu.

Der Beginn der Stadt liegt in dunkler Vergangenheit, doch zahlreiche Felsengräber am Fuß des Tuffhügels auf dem sich die Stadt erstreckt legen die Vermutung nahe, dass bereits die Etrusker hier eine Siedlung hatten, an der Grenze der Territorien von Veji und Caere. Aus der Zeit der Römer haben wir endlich schriftliche Beweise für die Existenz von Careiae, wie die Stadt auf Latein hieß. Sie war eine Station an der Via Clodia, die heute als Via Claudia Braccianese weiter nördlich vorbeiführt. Frontinus erwähnt sie, da hier verschiedene Zuflüsse in den Aquädukt Aqua Alsietina geleitet wurden.

Die reiche Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Sarazenen geplündert und ein zweites Mal ein halbes Jahrhundert später von ihren Besitzern, den Orsini. Es wird berichtet, dass diese tonnenweise Marmor aus Galeria fortschaffen ließen um damit den Dom in Orvieto zu schmücken.

Doch Galeria lebte weiter. Gerardo di Galeria gewährte dem gestürzten Papst Benedikt X: hier Unterschlupf. Erst mit Hilfe der Normannen konnte er 1069 verhaftet und nach Rom gebracht werden. 1536 war Kaiser Karl V. auf Einladung der Orsini hier zu Gast. Galeria war ein bescheidenes Landstädtchen vor den Toren Roms geworden. Erst die Stechmücken, die sich ab dem 18. Jahrhundert im Tal des Arrone einnisteten brachte den Tod in Form von Malaria in die Stadt und bedeutete nach über 2000 Jahren das Ende der Stadt. 1816 wurde offiziell die die Pfarrkirche Sant’Andrea aufgegeben und die nahe Kirche eines Landguts, Santa Maria in Celsano zur Nachfolgerin bestimmt. Sie trägt heute als Santa Maria di Galeria den Namen der vergangenen Stadt weiter. Genauso heißt auch der sehr ländliche Stadtteil im 19. Römischen Stadtbezirk, der vor allem durch die riesige Sendeanlage von Radio Vaticano bekanntgeworden ist, die man gut von den Mauern von Galeria sieht. Die Antennen die in alle Welt senden sind immer wieder in den Schlagzeilen, da die Anwohner über gesundheitliche Beeinträchtigungen klagen und es kommt auch immer wieder einmal vor, dass unvermittelt fromme Gesänge von Kühlschränken oder anderen elektrischen Geräten ausgestrahlt werden, da die Sender zu stark sind. Aber was ist schon die Gesundheit von ein paar Bauern im Norden Roms gegen die weltweite Verbreitung der Botschaft des Papstes.

Galeria, Stadttor Galeria, Stadttor Galeria Galeria Galeria
Die Ruinen von Galeria sind über einen nicht ausgeschilderten Feldweg erreichbar, der etwas südlich der Kirche Santa Maria di Galeria rechts von der Straße abzweigt. Sie liegen heute auf dem Territorium eines Landguts, dass dem Parmalat-Konzern gehört, der sich jedoch nicht um die Unterhaltung und Zugänglichkeit der alten Stadt kümmert. Die Stadt Rom hat das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Beides führt dazu, dass nie so ganz klar ist wer den Müll von einigen wilden Picknicks wegräumt. Doch da sich niemand um die Ruinenstadt kümmert, ist sie im Wesentlichen unberührt. Wenn man durch das alte zugewachsene Stadttor geht, betritt man eine märchenhafte Dschungellandschaft mit den alten Mauern der Stadt. Sie wird immer noch vom Kirchturm der alten Pfarrkirche überragt, an dem man noch sieht wo einst die Uhr eingebaut war, die zum Kirchturm im nahen Cesano überführt wurde. Man wandert über Straßen und Plätze, die längst von Wurzeln gesprengt sind und betritt Häuser, deren Dach vom Blätterwerk der Bäume gebildet wird. Der Besuch empfiehlt sich nur mit gutem Schuhwerk und bei Tag, denn man muss aufpassen, dass man nicht in ein ungesichertes Kellerloch fällt.

Wer an Geister glaubt sollte sich vor allem an Herbst- und Winterabenden in Acht nehmen, denn dann hört man den keuchenden Gesang des Senz’Affanni, eines Sängers, der vor 300 Jahren starb und noch heute mit seiner Mandoline auf einem weißen alten Pferd auf der Suche nach seiner Geliebten durch die Stadt reitet. Doch tatsächlich verursacht der Fluß Arrone die unheimlichen Geräusche, wenn er sich durch die Ruinen einer Mühle am Fuß des Felsen von Galeria ergießt.

Galeria Galeria Galeria Galeria, Blick von den Stadtmauern


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