Der vergessene Triumphbogen

Malborghetto

Kurz bevor man auf der Via Flaminia Rom über die nördliche Stadtgrenze verlässt, in der Nähe des verschlafenen Bahnhofs von Sacrofano, sieht man rechts ein eigenartiges, großes Ziegelgebäude. Es lohnt sich noch einmal umzudrehen, über den kleinen Bahnübergang zu fahren und sich dieses Anwesen etwas genauer anzuschauen. Denn hier handelt es sich, auf den ersten Blick kaum sichtbar, um das Denkmal für eines der wichtigsten weltgeschichtlichen Ereignisse.
Am 27. Oktober 312 hatte hier Kaiser Konstantin, einen Tagesmarsch vor Rom, sein Heerlager aufgeschlagen. Konstantin war zu diesem Zeitpunkt nur einer von vier Kaisern des Römischen Reichs und zuständig für Britannien, Gallien und Germanien. Doch er wollte die alleinige Macht. Und so zog er mit 40.000 Mann der Rheinarmee gegen seinen Widersacher Kaiser Maxentius in Rom. Hier in Malborghetto, einen Tag vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke, hatte Konstantin eine Vision. Ihm erschien im Himmel ein Kreuz mit der dazugehörenden Erklärung: In hoc signo vinces, in diesem Zeichen wirst du siegen. Konstantin verwendete daraufhin das Christusmonogramm als Feldzeichen. Mit Erfolg.
Maxentius hatte sich eigentlich eine raffinierte Strategie ausgedacht. Er wollte den Truppen Konstantins etwa dort wo heute die Studios der RAI in Saxa Rubra stehen, den scheinbaren Durchstoß durch seine Truppen erlauben, um dann hinter ihnen die Reihen wieder zu schließen und sie am Nordufer des Tiber einzukesseln. Den Ponte Milvio hatte er dafür zerstören lassen. Doch es kam anders, plötzlich waren die Verteidiger Roms in der Defensive und standen mit dem Rücken zum Fluss. Maxtentius, der eigentlich in seinem Palast auf die Siegesnachricht wartete, eilte selbst aufs Schlachtfeld. Doch er stürzte im Tumult in den Tiber und ertrank. Konstantin feierte einen grandiosen Sieg, der gleichzeitig als Durchbruch für das Christentum gesehen wird. Auch wenn dieses eher ein schleichender Prozess war. Bereits im Jahr zuvor hatte Kaiser Galerius die Christenverfolgung offiziell beendet. Konstantin und Maxentius standen gleichermaßen hinter dessen Toleranzedikt. Bei der Schlacht an der Milvischen Brücke ging es mehr um die Macht im Reich, als um den Kampf für eine Religion. Erst 391 hatte das Christentum endgültig gesiegt, als Kaiser Theodosius alle anderen Religionen verbot.
An der Stelle des Heereslagers Konstantin wurde ein großer Triumpgbogen errichtet. Ob noch zu Lebzeiten Konstantins oder später ist ungewiss. Der rechteckige, vierbogige Bau überdachte eine Kreuzung der Via Flaminia mit einer alten etruskischen Straße, die von Veji zum Tiber führte. Die vier aus Ziegeln errichteten Bögen, die später zugemauert wurden sind noch deutlich sichtbar. Von der Marmorverkleidung des einst prächtigen Bauwerks ist dagegen fast nichts mehr zu sehen.

Rekonstruktion des KonstantinbogensIm Mittelalter wurden die Bögen geschlossen und der Bau in eine Kirche umgewandelt. Sie war jedoch bereits 1256 wieder verschwunden, als ein Burgus San Nicolai de Arcu Virginis, im Besitz der Orsini erwähnt wurde. Die Adelsfamilie hatte den Triumphbogen zu einer Burg, zur Kontrolle der Via Flaminia ausgebaut. Reste der Befestigungsmauern sind heute noch sichtbar. Dieser Name erinnert jedoch sowohl an die Kirche als auch an den Triumphbogen. Diese Festung mit sie umgebenden kleinen Bauernhäusern wurde bereits 1278 direkt an den Vatikan verkauft, bei dem sie bis zur Auflösung des Kirchenstaates blieb.

Für einige Zeit setzen sich in der Festung Straßenräuber fest, was dem Ort bei der Bevölkerung den Namen Malborghetto (in etwa böses Dorf) einbrachte. Obwohl der Komplex in der Folge die verschiedensten Nutzungen und offiziellen Namen hatte, blieb der Name Mallborghetto an ihm haften. 1350 wird erwähnt, dass hier der Marmor gesammelt wurde, der aus den Ruinen von Veji geklaubt wurde, bevor er zum Dombau von Orvieto abtransportiert wurde. Auch war hier traditionell der Ort, an dem Kardinäle auf dem Weg nach Norden verabschiedet wurden oder wichtige Besucher Roms begrüßt wurden. 1485 verbarrikadierten sich Mitglieder der Familie Colonna in Malborghetto gegen die gegnerischen Orsini. Denen gelang es schließlich mit Hilfe der Bürger des nahen Sacrofano die Festung in Brand zu setzen. Die Zeit als Bollwerk war damit vorbei. Malborghetto war nur noch ein Landhaus, das Casale di Malborghetto, und später Poststation an der Via Flaminia. Heute hat man in ihm ein kleines Museum eingerichtet. Im angrenzenden Park sieht man antike Grabsteine von der Via Flaminia.
Dieses eigenartige Landhaus, das heute von der Via Flaminia durch die Bahnstrecke Rom – Viterbo getrennt ist, ist also nicht nur eine Wegmarke, die den Beginn des römischen Stadtgebiets anzeigt, sondern auch das vergessene Denkmal für die Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter

Malborghetto


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