Propaganda Fide 02

Wer im großen Treck der Touristen von der Spanischen Treppe Richtung Trevibrunnen läuft, sollte in der schmalen Via di Propaganda kurz innehalten und den Kopf heben, denn der Palast zur Linken hat eine der exquisitesten Fassaden des Barockarchitekten Borromini. Sie gehört zum Palazzo della Propaganda Fide, dem Sitz der Kongregation für die Evangelisierung der Völker des Vatikans.

Ursprünglich stand hier an der Piazza di Spagna der Palazzo Ferratini, der 1626 der neugegründeten Congregazione de Propaganda Fide übertragen wurde. Die Gemeinschaft wurde gegründet um sich der in Europa um sich greifenden Reformnation entgegenzustemmen und abtrünnige Schäfchen in den Schoß der Katholischen Kirche zurückzutreiben. Doch in der Zeit der Kolonisation wurde die Missionierung von Heiden in den fernen Kontinenten schnell zur wichtigeren Aufgabe und ist es bis heute geblieben. Kein Zufall dass für den Sitz der Gemeinschaft ein Palast in Rufweite der Botschaft der damals größten Kolonialnation, Spaniens, gewählt wurde.

Ab 1632 war Kardinal Antonio Barberini, Neffe von Papst Urban VIII. der Präfekt der Kongregation. Ein Kirchenmann, der für einige Skandale sorgte. Zuerst wegen seiner Liebesbeziehung zur Sängerin Leonora Baroni, dann wegen seiner über Freundschaft hinausgehenden Zuneigung zum Sänger und Kastraten Marc’Antonio Pasqualini. Barberini beauftragte den Lieblingsarchitekten seines Onkels des Papstes, Gian Lorenzo Bernini mit dem Neubau des Palastes. Von ihm stammt vor allem die Fassade zur Piazza di Spagna. Aber auch an den anderen Straßenfronten entdeckt man die Wappentiere der Barberini, die Bienen.

Mit dem Tod von Urban VIII. und der Wahl von Innozenz X. zum neuen Papst geriet Barberini in Ungnade und floh nach Paris. Auch der Architekt wechselte und Francesco Borromini, größter Konkurrent Berninis übernahm die Baustelle, die, zu dessen Ärger, direkt gegenüber Berninis Wohnhaus lag. In der Via di Propaganda gestaltete er eine meisterhaft bewegte Fassade mit Vor- und Rückschwüngen. Es muss eine große Genugtuung für Borromini gewesen sein, dass er die von Bernini eingebaute Kapelle abreißen und in seinem eigenen Stil eine neue bauen konnte. Von außen ist die Kapelle nicht sichtbar, sondern erst durch die Hofeinfahrt erreichbar. Die Kapelle, die den Heiligen drei Königen geweiht ist, wurde kurz vor dem Tod Borrominis fertig und ist in gewisser Weise ein Resümee seiner Arbeit. Der rechtwinklige Raum ist durch Nischen, die die Ecken abrunden aufgelöst. Die Pilaster an den Innenwänden setzen sich als Stuckrippen in der gewölbten Decke fort. Somit erreicht Borromini eine vollkommene Raumkontinuität. Damit verwirklichte er im Kleinen den Plan für die Decke der Lateranskirche, die er letztendlich nicht ausführen durfte.

Vor kurzem wurde im Palast ein Museum der Missionierung eröffnet, das erstmal einig Räume öffentlich zugänglich macht, darunter die große Bibliothek Antonio Barberinis. Die Pförtner lassen die Besucher auch gerne einen Blick in Borrominis Kapelle werfen. Das Museum ist z.Zt. Montag, Mittwoch und Freitag 14:30 – 18:00 geöffnet.

Stadtführung Auf den Spuren von Bernini und Borromini

Capella dei Re Magi x01

Propaganda Fide 03

Vasi 01

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