Wo wohnte eigentlich der Apostel Paulus in Rom?

Case di PaoloIch weiß nicht, ob ihr euch diese Frage schon mal gestellt habt. Falls ihr nach Rom reisen wollt, ist euch wahrscheinlich die Frage wichtiger, wo ihr denn in Rom wohnen werdet. Für die Menschen im Mittelalter war das anders. Die zerbrachen sich ganz gewaltig den Kopf ,wo der zweit wichtigste Apostel nach Petrus in Rom genächtigt hat, galt dieser Ort doch als verehrungswürdig. Paulus kam als Gefangener nach Rom, da er als römischer Bürger nach seiner Verhaftung an den Kaiser appellieren konnte. Doch man steckte ihn nicht in einen Kerker, sondern erlaubte ihm, zusammen mit einem Soldaten, der ihn bewachte, eine Mietwohnung zu beziehen. Wohlgemerkt, das ist eine wenig gesicherte Legende. Man nahm an, dass er im Wohnviertel der Juden am Tiberufer wohnte, das nach seinem feinen Sand lateinisch Arenula hieß. Der Name schliff sich über die Jahrhunderte zum heutigen Regola ab. Man kann sich darüber streiten, ob sich Paulus mehr als Christ oder als Jude gefühlt hat, aus der Apostelgeschichte im Neuen Testament geht jedoch klar hervor, dass er auf seinen Reisen praktisch ausschließlich in Synagogen gesprochen hat und in jüdischen Gemeinden gewohnt hat.

Jedenfalls ist das Zimmer, in dem Paulus gewohnt haben soll, heute eine Kapelle in der Kirche San Paolo in Regola; einer Kirche, die allerdings erst 1186 in einer Papstbulle erstmals erwähnt wurde. 1728 wurde die Kirche von Giacomo Ciolli und Giuseppe Sardi barock neu erbaut. Das Zimmer des Paulus hat dabei jede antike Atmosphäre verloren. Aber schon im Mittelalter konnten die Römer sich nicht recht vorstellen, dass der Apostelfürst in dieser Kammer gehaust haben soll. So bekam ein Komplex von sieben gotischen Wohnhäusern aus dem 12. Jahrhundert in der Nachbarschaft den Namen „Case di San Paolo“. Für den Bau des neuen Justizministeriums ab 1913 sollten sie eigentlich abgerissen werden, doch eine Bürgerinitiative wehrte sich erfolgreich dagegen. So sind sie heute, ein bisschen überrenoviert, in das Ministerium mit einbezogen und geben einen guten Eindruck vom Stadtbild Roms im Mittelalter.

San Paolo alla Regola San Paolo alla Regola

Doch wer tatsächlich antike Gebäude sucht, kommt in diesem Viertel auch auf seine Kosten. Als die Gemeinde Rom in einem Nachbarhaus von San Paolo eine Kinderbücherei einbauen wollte, stieß man auf Mauern aus der Zeit von Kaiser Septimius Severus (193 – 211), die sich über vier Stockwerke, zwei im Untergeschoss, zwei über der Erde, erstrecken. In dieser Zeit wurden Lagerhäuser, die hier am Flusshafen standen, in Wohnhäuser umgebaut. Nach einem Brand wurden diese Häuser in der Zeit von Kaiser Konstantin erneuert und die Mauern verstärkt. Im Mittelalter wurde eines der Häuser in ein Haus mit Turm, ähnlich der zuvor beschriebenen Häuser umgebaut. Heute kann man hier eine erstaunliche Kontinuität über fast 1800 Jahre besichtigen.

Doch ob Paulus hier gewohnt hat? Die Frage können wir leider nicht klären. Genauso wenig wie die, ob alle seine vielen Briefe tatsächlich von ihm stammen. Einer geht jedenfalls nachweislich auf Robert Gernhardt zurück:

Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen.
Case di Paolo

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