Eigentlich bringt ja die Befana, die Weihnachtshexe, die Geschenk traditionell in Rom am 6. Januar. Trotzdem spielt hier ein Christkind in der Weihnachtszeit eine wichtige Rolle, das Bambino Gesù von Aracoeli. Hierher bringen die römischen Kinder ihre Wunschzettel und beim Bambino Gesù bedanken sie sich auch nach erfolgreicher Bescherung. Das Christkind von Aracoeli ist eine einen halben Meter hohe Holzfigur, die zu Weihnachte aus ihrer Kapelle hinter dem linken Seitenschiff von Santa Maria in Aracoeli geholt und in die prächtige Krippe am Eingang gesetzt wird.

Ich wollte nun in der Adventszeit mit einer Gruppe deutscher Touristen das Christkind besuchen, doch wir fanden am Eingang der Kapelle des Santo Bambino nur einen handschriftlichen Zettel, der erklärte, dass das Christkind zurzeit außer Haus wäre. Der Messner bestätigte mit einem Blick auf die Überwachungskamera, dass der Knirps noch nicht von seinem Krankenbesuch zurück sei. Tatsächlich nimmt die pausbäckige Statue nicht nur Weihnachtswunschzettel entgegen sondern gilt auch bei schweren Krankheiten als wundertätig. Daher wurde sie immer wieder, natürlich gegen eine entsprechende Spende, an Krankenbetten ausgeliehen. Eine Prinzessin Borghese war so schlau zuvor eine gute Kopie des Bambino anfertigen zu lassen bevor sie das Original an das Krankenbett ihres Cousins Scipione Borghese rufen lies. Zwar schickte sie unbemerkt die Kopie zurück, doch machte sich bei Nacht auch die eigentliche Figur mit Trippelschritten auf den Weg. Die verdutzten Mönche fanden es, als sie durch Klopfen an der Tür geweckt wurden. Die Kopie landete in der Kirche von Giulianello, einem Landsitz der Borghese südlich von Rom, wo sie bis heute genauso wundertätig ist, wie das Original. Selma Lagerlöf verarbeitete diese Episode übrigens in ihrem Roman „Die Wunder des Antichrist“, wobei bei ihr eine Engländerin das Christkind stielt und durch eine Kopie ersetzt.

Abermals gestohlen wurde das Santo Bambino übrigens 1994. Damals erzählte mir ein Mönch unter Tränen, wie sich die Diebe einschließen ließen, die Alarmanlage außer Gefecht setzten und durch ein Dachfenster flohen. Vom Christkind fehlt bis heute jede Spur. Selbst Diebe im römischen Gefängnis Rebibbia, die sich von der unchristlichen Tat distanzieren wollten, sammelten Geld um eine weitere Kopie zu erstellen, die von Johannes Paul II. gesegnet wurde. Auch diese ist wundertätig und hört heute mit stoischer Geduld, die Weihnachtsgedichte und –lieder an, die römische Knirpse von einer eigens aufgestellten Tribüne gegenüber der Krippe krähen, in der die Holzfigur in der Weihnachtszeit liegt.

Der Legende nach soll die Originalfigur im 15. Jahrhundert von einem Franziskanermönch aus dem Holz eines Olivenbaums aus dem Garten Gethsemane bei Jerusalem geschnitzt worden sein. Auch für die aktuelle Kopie ließ man wieder Olivenholz aus Israel kommen. Als der Mönch begann das Schnitzwerk zu bemalen, schlief er beim ersten Pinselstrich ein. Als er wieder erwachte, hatte auf wundersame Weise ein Engel seine Arbeit erledigt. Der Mönch taufte das Christkind dann im Wasser des Flusses Jordan. Doch das Schiff mit dem der fromme Bruder nach Italien zurückkehren wollte, ging mit Mann und Maus in einem Sturm unter. Nur das Holzkind überlebte und schwamm alleine durch das weite Meer an die Küste vor Rom, wo es wiederum von Mönchen am Neujahrstag gefunden und in die Kirche auf Roms Kapitol gebracht wurde, wo es sein wundertätiges Leben fortsetzte. Nun sogar in dreifacher Ausführung, in Rom in Giulianello und an einem, bis heute, unbekannten Ort.

Weihnachten in Rom

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Santa Maria in Aracoeli in Rom

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