Santa Maria in Aracoeli in Rom

Die Geschichte von Santa Maria in Aracoeli

Hoch auf dem Kapitol in Rom steht eine Kirche, deren schlichte Fassade unterschätzen lässt welche Kunstschätze sich dahinter verbergen. Nicht nur Kunst auch eine ganze Menge Geschichten und Legenden sind mit diesem Platz verbunden. Für die Römer ist in der Weihnachtszeit nicht der Petersdom die wichtigste Kirche sondern Santa Maria in Aracoeli, denn hier wohnt das römische Christkind.

Schon zu Beginn Roms hatte der Kapitolshügel für die Menschen magische Bedeutung. Bereits in der Frühzeit wurde hier das sogenannte Auguraculum eingerichtet. Etruskische Priester beobachteten hier über einer gedachten Linie zum Jupitertempel auf dem Monte Cavo in den Albaner Bergen den Vogelflug und sagten daraus den Willen der Götter voraus. Das Heiligtum war bis in die Kaiserzeit nur eine einfache Strohhütte, die immer wieder erneuert wurde. Noch heute kann man den Zauber nachempfinden, wenn man sich morgens auf die große Freitreppe hinter der Kirche stellt und zu den Albaner Bergen schaut, die aus dem Dunst der Millionenstadt hervorragen. Man schaut über die Ruinen des Forum Romanum, einst das Zentrum der Welt. Der Titusbogen, auf einer kleinen Anhöhe, steht genau in der Blickachse.

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Juno Moneta im Museo Palazzo Altemps

Am Platz auf dem die Kirche heute steht, der höchste Punkt des Kapitolhügels, errichteten die Römer in der Frühzeit die Arx, ihre Fluchtburg. Hier gab es auch einen heiligen Bezirk für Juno, der Göttin der Geburt und der Ehe. Verbunden ist sie mit der bekannten Geschichte der heiligen, kapitolinischen Gänse, die bei ihrer Kultstätte gehalten wurden. Sie sollen durch ihr Geschnatter die Römer geweckten haben, als 387 v.Chr., bei Nacht die Gallier das Kapitol erobern wollten. Daher bekam Juno den Beinamen „Moneta“, die Wachsame. Da beim Junotempel die römische Münzstätte gegründet wurde, ging dieser Name auch auf das Geld über. Nicht nur die „Moneten“ auch das Wort „Münze“ leitet sich von der wachsamen Moneta her. 344 v.Chr. errichtete Furius Camillus Juno schließlich einen richtigen Tempel, der bis zum Ende der Verehrung der alten Götter in Rom bestand.

Nicht zufällig wurde dieser Ort der Auguren und der Juno, zum Schauplatz einer mittelalterlichen Legende. Die Tiburtinische Sibylle soll Kaiser Augustus hier in einer Vision eine Jungfrau mit Kind, auf einem Altar sitzend gezeigt haben. Sie sagte dazu: „Dieses Kind ist größer als du und wird die Götter stürzen.“ Darauf soll Augustus hier einen Himmelsaltar, lateinisch „Ara Coeli“ errichtet haben. Den vermeintlichen Altar sieht man noch unter der Ädikula mit dem Grab der Heiligen Helena im linken Querschiff der heutigen Kirche durch Sehschlitze. Doch ist das wohl eher der Altar der vorherigen, frühmittelalterlichen Kirche.

Nachdem die alten Religionen verboten waren, siedelten im 6., spätestens im 8. Jahrhundert sich griechische Mönche beim Tempel der Juno an. Sie wurden im 10. Jahrhundert von Benediktinern abgelöst, die auch eine neue Kirche auf dem Fundament des Tempels erbauten. Sie drehten sie allerdings von der Ausrichtung weg vom Forum und den Albaner Bergen, Richtung Kapitolsplatz. Die Kirche stimmte ziemlich genau mit dem heutigen Querschiff überein. Das Thema Geburt blieb erhalten und Juno wurde durch die Jungfrau Maria ersetzt.

Das Bambino Gesù in Santa Maria in Aracoeli

Das Bambino Gesù in Santa Maria in Aracoeli

1248 gab Papst Innozenz IV. Kirche und Kloster den Franziskanern, da er deren Unterstützung ihm im Konflikt mit Staufern brauchte. Sie begannen gleich mit einem völligen Neubau und drehten die Kirche noch mal um eine Vierteldrehung und kehrten endgültig den antiken Göttern den Rücken. Die neue Kirche schaut nun zum neuen Zentrum, dem Petersdom. Diese Kirche wurde 1268 geweiht obwohl die Arbeiten am Querschiff durch Arniolfo di Cambio, finanziert durch die Familie Savelli, sich bis 1300 hinzogen. Die Fassade zum Kapitolsplatz, damals noch der Haupteingang, ist heute noch mit ihren Wappen verziert. Di Cambio richtete für seine Auftraggeber auch im rechten Arm des Querschiffs ihre Familiengrabstätte ein. Besonders schön, das Grab von Luca Savelli, dem Vater von Papst Honorius IV. Arnolfo di Cambio verwendete dafür einen antiken Sarkophag mit Girlanden tragenden Genien.

1348 als Dank für das Ende einer Pestepidemie wurde die lange Treppe zur Westfassade mit Marmor vom Forum Romanum errichtet. Nun bekam man wirklich das Gefühl, dass man in den Himmel hinauf steigt, wenn man die Stufen in Angriff nimmt.

Die Kirche wurde zu einer der wichtigsten der Stadt. Regelmäßig tagte hier der Rat der Stadt und zu Weihnachten 1412 wurde in die Fassade die erste öffentliche Uhr Roms eingebaut. Es entstanden die vielen Seitenkapellen die in den Stilen von Renaissance und Barock ausgestattet sind. Meist wurden sie von adligen Familien über ihren Gruften errichtet. Als 1571 Admiral Marcantonio Colonna die Türken in der Seeschlacht von Lepanto besiegte, wurde sein Triumph hier in der Kirche gefeiert. Die prächtige, mit Galeeren verzierte Holzdecke, erinnert heute noch daran. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man die erbeuteten Schilde und Krummschwerter, die in die Decke eingearbeitet wurden.

Den Höhepunkt in ihrer Bedeutung erreichte Maria in Aracoeli im 18. Jhd. unter Abt Giuseppe Maria Fonseca. Er gründete im Kloster eine Philosophie- und Theologieschule und stiftete eine Bibliothek mit mehr als 20 000 Bänden, die heute in alle Winde zerstreut sind. Kurz nach seinem Tod begann die Zerstörung des Klosters

Als 1797 die Franzosen Rom eroberten wandelten sie das Kloster in eine Kaserne und die Kirche in einen Pferdestall um. Die Uhr wurde 1806 ans Rathaus versetzt. 1815 wurde die Kirche den Franziskanern zurückgegeben. Das Kloster blieb jedoch eine Kaserne bis es zum größten Teil 1886 – 88 für den Bau des monumentalen Denkmals für König Vittorio Emanuele II. abgerissen wurde.

Wer heute Kirche wandelt spürt noch die Geschichte von fast 2500 Jahren. Besuchen Sie die zahlreichen Kubstwerke unter denen die Capella Savelli und die Capella Bufalini mit ihren wunderbaren Fresken aus der Hand von Pinturicchio hervorstechen. Beachten Sie auch den mittelalterlichen Cosmatenfußboden und die antiken Säulen. In die dritte Säule vorne links hat jemand die Inschrift a cubiculo augustorum eingraviert. Sie soll aus dem Schlafzimmer des Kaisers stammen, in dem Augustus die Vision des Himmelsaltars hatte.

Quellen: Laura Rossi, Santa Maria in Aracoeli ISBN88-7369-072-6, Mariano Armellini, Le Chiese di Roma, Geschichte der Kapitolinischen Gänse.

Siehe auch das Christkind von Aracoeli

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Capella Savelli 05

Capella Savelli, Grabmal des Luca Savelli

Capella Bufalini 06

Capella Bufalini, Fresken von Pinturicchio

Capella Bufalini 04

Capella Bufalini, Fresken von Pinturicchio, Detail

Capella Bufalini 03

Capella Bufalini, Fresken von Pinturicchio, Detail

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