TempiettoDonato Bramante, der große Renaissancebaumeister kam kurz vor dem Heiligen Jahr 1500 von Mailand nach Rom. Noch bevor er den ersten Plan für den Neubau des Petersdoms zeichnete führte er einen kleinen, aber wichtigen Auftrag aus. Das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella stifteten eine Kapelle im Klosterhof der immer mit dem Spanischen Königshaus verbundenen Kirche San Pietro in Montorio am Gianicolo über Trastevere. Es war gewissermaßen ein Akt des Danks an den Papst, ebenfalls ein Spanier, Rodrigo Borgia. Dieser hatte Ihnen soeben den Besitz des neuentdeckten Kontinents Amerika garantiert. Die Kapelle steht über der angeblichen Stelle des Kreuzes an dem Petrus gestorben sein soll.

Der Tempietto glich einem Paukenschlag, einer Revolution und beendete das Mittelalter in der römischen Kunst mit einem Schlag. Bramante nahm die Form eines antiken Rundtempels wieder auf und rekonstruierte sie bis ins Detail. Doch es ist keine bloße Kopie. Mit der Kuppel verwirklichte Bramante seinen eigenständigen Bau in einem neuen Stil. Der Hochrenaissance. Er nahm seine Idee für die Kuppel des Petersdoms vorweg. Der kleine Bau, eingezwängt in den mittelalterlichen Hof, zeigt die perfekten Proportionen umfassender Harmonie. Es ist das menschliche Mass, das zu Grunde gelegt ist. Bramante plante, einen neuen, dem Tempietto angepassten Hof, der nie verwirklicht wurde. Vielleicht hat aber der bestehende Zustand viel mehr Spannung. Er illustriert den Sieg der Vernunft des Renaissancemenschen über die mittelalterlichen Mysterien.

Tempietto des Bramante

Tempietto des Bramante

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