Santa Maria in Cosmedin 041

Santa Maria in Cosmedin

Valentinstag in Rom – Frohe Luperkalien

Die Reliquie des Heiligen Valentin in Santa Maria in CosmedinEigentlich müsste ja heute in der Kirche Santa Maria in Cosmedin am römischen Tiberufer viel los sein. Nicht wegen der Bocca della Verità, dem Wahrheitsmund, berühmt durch die Filmszene mit Audrey Hepburn und Gregory Peck, der in der Vorhalle aufgestellt ist. Auch an jedem anderen Tag im Jahr stehen hier die Touristen Schlange, um die Legende herauszufordern, nach der jedem Lügner, der seine Hand in den Wahrheitsmund hält, diese abgebissen wird. Doch entweder hat der Triton im Alter seine Bisskraft eingebüßt, oder es wird nicht mehr gelogen. Alle winken mit der geretteten Hand fürs Erinnerungsfoto.

Nein, heute am 14. Februar ist natürlich interessant, dass in einer Seitenkapelle der Kirche der heilige Valentin verehrt wird. Auf einem Altar kann man seine Reliquien besichtigen. Doch werden sich heute wohl wenige Liebespaare hier einfinden, denn der Anblick des Totenschädels hinter dem Fenster des Reliquienschreins ist kaum geeignet romantische Gefühle zu vertiefen. Die hier fehlenden Knochen liegen übrigens über Kirchen in Krumbach (Bayerisch Schwaben), Worms, Breslau, Glasgow, Dublin und Jumièges in Frankreich verteilt.

Valentin war im dritten Jahrhundert Bischof in Terni. Auch die Basilica San Valentino dort behauptet natürlich im Besitz des (ganzen?) Heiligen zu sein. Er soll Liebespaare nach christlichem Ritus getraut haben und ihnen Blumen aus dem eigenen Garten geschenkt haben. Auch ihn Partnerschaftskrisen stand er hilfreich zur Seite. Seine große Popularität war jedoch Kaiser Claudius Gothicus ein Dorn im Auge und so ließ er ihn an der Via Flaminia zwischen Rom und Terni enthaupten. Dort am 63. Meilenstein ist im 4. Jahrhundert eine Valentinskirche erwähnt von der heute nur noch spärliche Spuren zeugen. Wann die Kirche zerstört wurde ist unbekannt, doch damit begann wohl die Verbreitung der Knochen des Bischofs der Herzen. Auch wenn seine Reliquien hauptsächlich in Italien und Deutschland zu finden sind, so verbreitete sich der Brauch des Blumenschenkens über Frankreich vor allem nach England und von dort über den Atlantik nach Amerika. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er im Gefolge der GIs auf den europäischen Kontinent zurück. In den 50er Jahren erklärten die deutschen Blumenhändler den 14. Februar zum „Tag der offenen Herzen“ und dachte dabei wohl vor allem an die offenen Geldbeutel der Kundschaft. Doch wenn heute auch in der Ewigen Stadt unzählige Blumensträuße verschenkt werden, am Schrein in Santa Maria in Cosmedin hat es bisher nur zu einem Schmierzettel als Hinweis auf den Liebesmärtyrer gereicht.

Doch in Wirklichkeit ist die Geschichte des Valentinstag viel älter. Schon in vorchristlicher Zeit hatte man romantische Gefühle. Die alten Römer hatten beobachtet, dass Mitte Februar die Vögel ihre Paarungszeit beginnen und brachten so der Göttin Juno Februata, Göttin des Liebesfiebers, Blumen als Opfer. Und auf dem Heimweg, dann gleich auch noch einen Strauß der eigenen Frau. Gleichzeitig fanden die Luperkalien statt. In der legendären Höhle am Palatin, in der die Wölfin die Stadtgründer Romolus und Remus gesäugt haben soll, und die vermutlich kürzlich wieder entdeckt wurde, wurden am Abend des 14. Februar Böcke geopfert. Ein Teil der Felle wurde in Riemen geschnitten, die restlichen Felle schlangen sich Priester um den Leib. Bis auf diesen archaischen Lendenschurz nackt, liefen sie dann am 15. Februar durch die Straßen Roms und schlugen den zahlreichen Frauen und Mädchen, die ihren Weg säumten mit den Fellriemen auf die Hände, auf dass diese bald einen Mann finden würden, mit dem sie es den turtelnden Vögeln gleichtun können. Das viertägige Fest endete am 18. Februar, dem Dies februatus, dem Tag der Reinigung, der dem Gott Faunus geweiht war und bald dem ganzen Monat den Namen gab. Dieses Fest war bei den Römern ausgesprochen beliebt. Doch die Christen konnten den Römern die Luperkalien endgültig erst austreibenals sie das Fest christlich besetzten. Und so musste dann eben der Valentin herhalten. Zwar mit Blumen, doch ohne Schafsfell. Erst Papst Gelasius (ca. 492 – 496) schaffte es die Luperkalien abzuschaffen und durch den Valentinstag zu ersetzen. Die Legenden, die sich um den Bischof ranken sind historisch nicht nachweisbar. Aber sicher ist es kein Zufall, dass sein Enthauptungsdatum auf den 14. Februar gelegt wurde. Und so ruht sein Kopf nun in der Kirche, wenige Schritte von der Höhle der römischen Wölfin entfernt.

Aber eigentlich ist es ja egal ob ihr heute eurem Wolf oder eurer Wölfin Blumen im Namen der Juno oder des Valentin bringt. Und wenn ihr am Valentinstag einen Lendenschurz aus Schafsfell tragt, ist das der Februata, dem Liebesfieber, sicherlich nicht abträglich.

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Quellen: Ökumenisches Heiligenlexikon, Luperkalien von Meyer + Schodder

siehe auch Santa Maria in Cosmedin, Bocca della Verità, Ein Herz und eine Krone

Santa Maria in Cosmedin 008 San Valentino

Kapelle des Heiligen Valentin in Santa Maria in Cosmedin

Santa Maria in Cosmedin 032

Santa Maria in Cosmedin, Hauptschiff

Santa Maria in Cosmedin 031

Santa Maria in Cosmedin, Ziborium

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