Eine römische Villa an der Autobahn

Villa dei Volusii, LarariumHeute ein Besichtigungsvorschlag für alle die mit dem Auto nach Rom kommen. Kaum jemand ahnt, dass man bei der Autobahnraststätte Feronia Ovest, kurz nachdem man die Autostrada del Sole auf dem Autobahnzubringer Richtung Rom verlassen hat, die beeindruckenden Reste eines 2000 Jahre alten römischen Landguts findet. Für eine Besichtigung muss man sich beim Punto Blu am Ende des Parkplatzes melden (oder bei mir). 1961 ist man beim Autobahnbau auf die Reste der Villa gestoßen, hat sie ausgegraben und viele Funde in das Museum bei den nahen Ausgrabungen der antiken Stadt Lucus Feroniae in Capena gebracht. Die schönen Fußbodenmosaiken wurden jedoch an Ort und Stelle belassen und gesichert. Das Gelände gehört der Autobahngesellschaft Autostrade per l’Italia SpA. Die Villa zählt, völlig zu Unrecht, zu den unbekanntesten Ausgrabungsstätten im Großraum Rom.

Villa dei Volusii Villa dei Volusii

Quintus Volusius Saturnius, der sich zum Ende der Römischen Republik (ca. 65 v.Chr.) hier, auf einer künstlichen Terrasse mit fantastischem Ausblick über das Tibertal bis zu den Bergen um Tivoli, einen Landsitz baute. Er diente wohl vor allem zur luxuriösen Entspannung. Die Volusii waren eine alte römische Familie, der erst mit Quintus der Aufstieg gelang. Seine Söhne und Enkel waren eng mit den Kaisern verbunden und dienten diesen auf verschiedensten Posten. Der bekannteste war sicher Lucius Volusius Saturnius. Als er im stolzen Alter von 93 Jahren starb richtete Nero ein Staatsbegräbnis für ihn aus und ließ Statuen von ihm in verschiedenen Tempeln aufstellen. Tacitus erwähnte Lucius und berichtete, dass er seinen Reichtum durch Sparsamkeit angehäuft habe. Dazu passt, dass er die Villa, das luxuriöse Wochenendhaus, zu einem Landgut umbaute. Auf dem Gelände, das sich wohl bis zum Tiber hinzog, wurde vor allem Weizen angebaut. Doch finden wir auch eine Weinpresse in der Villa. Es ist der erste große rechteckige Hof, den wir betreten, der für landwirtschaftliche Zwecke errichtet wurde. Die meisten Räume waren eher nüchtern ausgestattet und dienten den Sklaven und Bediensteten als Unterkunft. In der nördlichen Ecke findet sich eine große Latrine, ein Gemeinschafts-WC. WC ist erstgemeint, denn es hatte Wasserspülung. Unter den Sitzen rauschte ein künstlicher Bach. Doch ist in diesem Hof auch das Lararium, der Altar der Schutzgötter der Familie, untergebracht. Viel mehr als die sonst in römischen Häusern übliche kleine Nische, war es ein eigener Raum, fast ein Tempel.

Villa dei Volusii Villa dei Volusii, Lararium

Im Südosten lag die ältere Villa, der Wohnkomplex der Familie. Um einen kleineren Hof waren die Zimmer angeordnet die noch heute vielfältige Mosaiken vorweisen können. Die ältesten sind noch im für die Zeit der Republik typischen Schwarz-Weiss gehalten. Mosaiken, die aus späteren Umbauphasen stammen, zeigen auch bunte Muster. Im Anschluss war ein Garten mit einer großartigen Aussicht angelegt, von dem allerdings kaum etwas erhalten ist. Die letzten zwei Volusii nannten sich wieder Quintus und Lucius und waren 87 und 92 n.Chr. Konsul. Möglicherweise fielen sie dem Kampf des Kaisers Domitian gegen angebliche Verschwörer zum Opfer. Jedenfalls verschwanden die Volusii danach aus den Annalen und die Villa ging in kaiserlichen Besitz über. Ab dem 4. Jahrhundert wurde sie langsam verlassen. Im 9. Jahrhundert baute man auf den südlichen Fundamenten einen mittelalterlichen Beobachtungsturm, der noch heute erhalten ist. Das Ausgrabungsgelände ist sicher ein interessanter Auftakt zu einem Rombesuch.

Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik Villa dei Volusii, Fußbodenmosaik

Lage der Ausgrabungen


Villa dei Volusii, 00035 Fiano Romano RM auf einer größeren Karte anzeigen

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