Die Caravaggios sind wieder zurück.

Die drei Bilder von Caravaggio, Maria Magdalena, Rast auf der Flucht nach Ägypten und Johannes der Täufer in der Galleria Doria Pamphilj in Rom

2010 war das 400te Todesjahr von Michelangelo Merisi, der besser unter dem Namen seines Heimatortes Caravaggio bekannt ist. Daher waren zahlreiche seiner Bilder, die in verschiedenen Museen und Kirchen in Rom hängen für Ausstellungen in ganz Europa ausgeliehen. Nun sind alle wieder an den Tiber zurückgekehrt und die Fans des Barockmalers können sie wieder vor Ort genießen.

Auch in der Galleria Doria Pamphilj, in der Via del Corso ganz in der Nähe der Piazza Venezia, hängen die drei Caravaggios wieder einträchtig vereint an ihrem Platz. Links Maria Magdalena, rechts Johannes der Täufer als ziemlich schamloser Teenager. Das zentrale Bild „Rast auf der Flucht nach Ägypten“ wurde vor ein paar Tagen zurückgehängt. Das Gemälde, das als einziges Landschaftsbild des Künstlers gilt, ist für mich eines der interessantesten Werke. Während Caravaggio sich bei den meisten anderen seiner Bilder nicht für den Hintergrund interessierte und dem Betrachter nur eine meist braune Wand zeigt, setzte er hier seine Figuren in eine sehr detailgetreue Landschaft, auch wenn diese der Heiligen Familie in dieser Form wohl kaum zwischen Palästina und dem Nil begegnet wäre. Die Flucht der Kleinfamilie vor dem Kindermord Herodes wurde gerne für Landschaftsbilder genutzt, wie man sich in anderen Sälen der Galleria Doria Pamphilj überzeugen kann. Doch Caravaggio wählte ein ganz neues Sujet, das man so nicht im Matthäus-Evangelium findet. Die Familie wird bei einer Rast gezeigt, ganz entspannt und gelöst. Maria und Joseph wirken nicht im Geringsten wie Eltern die auf der Flucht vor den Mördern ihres Sohnes sind. Maria schläft mit dem Jesuskind auf dem Schoß und vermittelt ein Bild völliger Friedfertigkeit. Beider Gesichter werden von einem Lichtstrahl getroffen und so der Blick auf sie gelenkt, auch wenn Caravaggio das Licht weit weniger spektakulär einsetzt wie bei seinen anderen Bildern. Das Mädchen, das für die Maria Modell gesessen hat scheint übrigens identisch mit der Magdalena zu sein, die direkt daneben hängt.

Der agierende ist überraschender Weise der alte Joseph, der auf dem Gepäck sitzend einem vor ihm stehenden Engel quasi als Notenständer dient, der ein kleines Geigenkonzert gibt. Joseph legt etwas verlegen die Füße übereinander. Der Engel wird hervorgehoben, da er voll im Licht steht und noch durch das um ihn flatternde, weiße Tuch heller wirkt. Manche Betrachter weisen übrigens darauf hin, dass das Himmelswesen zwar für den Bildbetrachter verhüllt ist, für Joseph aber fast völlig nackt erscheint. Er wird Teil einer ganz realistischen Situation, als gäbe es nichts alltäglicheres, als dass ein Engel zu einem Picknick stößt, dem Familienvater seine Noten in die Hand drückt und zu geigen beginnt. Wobei natürlich Geige, die Kleidung von Maria selbst die Korbflasche unten links in die Zeit Caravaggios und nicht der Bibel gehören. Also doch eher eine seltsame Begegnung bei einer Landpartie des 16. Jahrhunderts, als eine biblische Geschichte? Den Interpretationen ist weiter Raum gegeben.

Das Stück auf dem Notenblatt ist übrigens klar zu identifizieren. Es handelt sich um die Motette „Quam pulchra es“ des flämischen Komponisten Noel Bauldeweyn, die Maria gewidmet ist und mit den Worten „Quam pulchra es = Wie schon sie ist“ beginnt.

Machen Sie doch einmal eine Caravaggio-Tour durch Rom.

Liste der Caravaggios in Rom

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