Jakob Alt, Pantheon, 1836

Jakob Alt, Das Pantheon und die Piazza della Rotonda in Rom, Aquarell 1936, Albertina Wien

Pantheon 041Wenn man durch den Wald der Säulen der Vorhalle Richtung Portal geht und sich langsam der Blick auf das Innere der Kuppel öffnet, hält fast jeder inne und schaut mit offenem Mund nach oben. Kaum ein Raum in Rom ist so eindrucksvoll. Und kein Gebäude aus der Antike ist so gut erhalten. Dabei nagte auch am Pantheon ganz heftig der Zahn der Zeit.

Der heutige Bau ist bereits die dritte Version. 24 v.Chr. lies Marcus Agrippa, Schwiegersohn und designierter Nachfolger von Augustus das erste Pantheon errichten. Es war Teil eines ganzen Quartiers öffentlicher Bauten deren Bauherr er war. Noch heute sieht man links neben dem Pantheon die Reste der Außenmauern der Saepta Julia, eines prächtigen Säulenumgangs, im Alten Rom bekannt für seine Kunstwerke. Südlich lagen die Thermen des Agrippa. In der Via dell’Arco della Ciambella sieht man noch den Rest der Zentralkuppel.

Agrippas Pantheon hatte jedoch wohl noch keine Kuppel, ansonsten aber einen recht ähnlichen Grundriss wie das bestehende. Es war genau nach Norden auf das Augustusmausoleum ausgerichtet und war zusammen mit der Sonnenuhr des Augustus und dem Friedensaltar Teil einer riesigen Anlage zur Verehrung des ersten Kaisers Roms.

Nachdem das ganze Stadtquartier 80 n.Chr. abgebrannt war, lies Kaiser Domitian das Pantheon neu aufbauen. Von diesem Bau wissen wir allerdings kaum etwas. Er bestand auch keine 30 Jahre bis er ebenfalls abbrannte. Nach neuesten Untersuchungen wurde der dritte und bis heute bestehende Bau um 114 n.Chr. unter Kaiser Trajan begonnen und spätestens 125 n.Chr. unter Hadrian fertiggestellt. Noch immer diente er wohl der Verehrung von Kaiser Augustus. Wahrscheinlich wurden aber auch den sieben Planetengöttern hier geopfert. Jupiter, Saturn, Mars, Venus und Merkur, sowie Sol und Luna, da die Römer Sonne und Mond auch zu den Planeten zählten. Die Planeten Neptun und Uranus waren dagegen noch unbekannt.

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Bronzetür des Pantheons, 2. Jhd.

Wir zählen im Inneren sieben Nischen in denen vermutlich einst die Götterstatuen standen. Darüber wölbt sich die riesige Kuppel, die einst blau gestrichen war. Vielleicht steckten in den Kassetten vergoldete Sterne, so dass die Illusion des Sternenhimmels perfekt war. Zum realen Himmel besteht durch das offene Opaion, das Kuppelloch, eine Verbindung. Um die häufige Frage zu beantworten, ja, es regnet hinein. Sie sehen am Boden die Abflüsse in den Marmorplatten. Die Römer haben an alles gedacht.

Die Kuppel ist ein Meisterwerk der römischen Ingenieurskunst. Ob Apollodor von Damskus, der Lieblingsarchitekt von Trajan dafür verantwortlich ist, ist umstritten. Die Kuppel wurde aus römischem Beton gegossen und war mit einem Durchmesser von 43,45 Metern bis 1911 die größte Kuppel der Menschheitsgeschichte. Ihre Form ist eine exakte Halbkugel. Man sagt Michelangelo habe aus Ehrfurcht vor dem antiken Wunderwerk die Kuppel des Petersdoms fast einen Meter kleiner geplant.

608 schenkte Kaiser Phokas das Pantheon Papst Bonifatius IV. der es zu einer Kirche weihte, nicht ohne vorher die alten Götter mit einem Exorzismus zu vertreiben. Offenbar hatte er gehörigen Respekt vor der Kraft Jupiters, den er soll 26 Wagenladungen Knochen aus den Katakomben unter die Kuppel geschüttet haben. So zogen statt der Planetengötter die christlichen Märtyrer ins Pantheon ein. Aus diesem Anlass stiftete der Papst das Allerheiligenfest. Noch heute ist das Pantheon offiziell die Kirche Sancta Maria ad Martyres.

Pantheon 016 3. Edicola Raffaello

Grab Raffaels im Pantheon

Kaiser Konstans II. ließ 663 die goldenen Ziegel abnehmen und nach Konstantinopel verschiffen. Angekommen sind sie dort nie. Unterwegs kaperten arabische Seeräuber das Schiff. 1632 ließ Papst Urban VIII. die bronzene Verkleidung des Dachstuhls der Vorhalle abnehmen und einschmelzen. In einer Inschrift neben der Eingangstür rühmt er sich, dass er den „unnützen Zierat“ in etwas frommeres verwandelte. Er beauftragte Bernini aus dem Metall den riesigen Altarbaldachin im Petersdom zu erstellen. Doch aus dem größten Teil der Bronze ließ er Kanonen für seine Kriege gießen. Bernini baute auch zwei kleine Glockentürmchen auf den alten Tempel, die aber von den Römern als Eselsohren verspottet wurden und im 19. Jhd. wieder abgetragen wurden.

Einen Besuch des Pantheons sollte niemand verpassen, der nach Rom reist. Ein besonderes Erlebnis ist der Gottesdienst zu Pfingsten. Dann regnen durch das Loch der Kuppel millionen Rosenblätter hernieder.

Aber auch das Altstadtviertel rund um das Pantheon birgt zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus 2000 Jahren Geschichte. Gehen Sie mit uns auf Tour und sehen Sie:

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Quellen: Die Zeit zur Neudatierung,
Heinz-Joachim Fischer, Rom: zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt,
die Inschriften,
Die Welt zum Pfingstgottesdienst.

Antike Bebauung rund um das Pantheon, lila = Tempel des Osiris im Iseum Campense

Antike Bebauung rund um das Pantheon

Pantheon 003

Pantheon 012

Pantheon, Innenraum

Pantheon 031

Vorhalle des Pantheons

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